Sonntag, 1. März 2015

For Your Eyes Only - James Bond 007: In tödlicher Mission (1981)

http://www.imdb.com/title/tt0082398/

Ein als Fischerboot getarntes Spionageschiff der britischen Navy wird im Ionischen Meer vor der griechischen Insel Korfu von Unbekannten versenkt. An Bord befindet sich ein so genannter ATAC (Automatic Targeting Attack Communicator), ein Steuercomputer für den Start von Atomraketen auf britischen U-Booten. Da man in London befürchtet, dass der russische Geheimdienst KGB an dem Computer interessiert ist, engagiert das britische Verteidigungsministerium den Archäologen Sir Timothy Havelock (Jack Hedley), der das Wrack aufspüren und den ATAC wenn möglich bergen soll. Als das Havelock und seine Frau Opfer eines heimtückischen Luftangriffs werden, setzt der Secret Service seinen Spitzenagenten James Bond (Roger Moore) auf den Fall an. In Madrid trifft er auf die hübsche Melina Havelock (Carole Bouquet), die ebenso wie Bond herausbekommen will, wer für den Mord an ihren Eltern verantwortlich ist...

Nach dem unterhaltsamen, aber sehr abgehobenen "Moonraker", holt dieser Bond das Franchise wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Dadurch gibt es hier weniger Gadgetspielereien, eher spannende anstatt komödiantische Actionsszenen und einen Bösewicht, der (ein wenig zum Nachteil des Films) keinen "großen" Plan verfolgt. Obwohl weit weniger lustig ist dieser Bond auch etwas unkoventionell. Er startet mit einer eher comichaften, leicht verwirrenden (aber auch lustigen) Pre-Credit-Sequenz, in der Bond das Grab seiner Frau besucht und Blofeld in einen Schornstein wirft. Offenbar war es nicht möglich die Rechte für den Blofeld-Charakter zu bekommen, was zur Folge hat, dass wir nur einen namenslosen, glatzköpfigen Mann im Rollstuhl sitzen sehen, der ein weißes Kätzchen streichelt. Das Ganze ist wohl eher als Insider-Joke für langjährige Fans der Reihe zu verstehen. Ein befriedigender Abschluss der "Im Geheimdienst ihrer Majestät"-Storyline ist dies natürlich nicht, aber die Bond-Filme haben sich ja noch nie durch besondere Kontinuität ausgezeichnet und so bleibt dieses Aufräumen mit "Altlasten" zwar etwas beliebig und unnötig, aber denoch ein coole Actionszene, die 007 mal wieder bei einer halsbrecherischen und coolen Aktion zeigt. Zudem wird das Motiv Rache etabliert, das im weiteren Filmverlauf noch zum Tragen kommt.

"For Your Eyes Only" ist wohl der Theme-Song, der so kitschig und offenkundig für die Charts prädestiniert war wie nie zuvor, zumal die Sängerin in der, wie immer hervorragend gestalteten, Titelsequenz von Maurice Binder höchstpersönlich auftaucht. Doch hat der Song hier auch einen schönen Ohrwurmcharakter und ich bin ich gutem Kitsch hin und wieder ja auch nicht abgeneigt.


Unkonventionell kommt mir erneut in den Sinn, wenn ich an die mission dieses Bonds denke, geht es doch imgrunde nur darum, einen Steuercomputer für den Start von Atomraketen wieder zu beschaffen und Bond hetzt von einem Ort der Welt zum anderen, nur um sich den Computer anzueignen. Dies sorgt dafür, dass die zweite Hälfte kaum noch Drive hat und Bond nur von einer Actionsszene in die nächste schlittert, ohne dabei unter Zeitdruck zu stehen oder die Konsequenzen des Plans seines Gegenspielers bedenken zu müssen. Die einzige Überraschung, was den Plot angeht, ist ein netter Twist nach etwa der Hälfte des Films, in dem sich Columbo als Bonds Mitstreiter und nicht wie zuvor vermutet als Bösewicht herausstellt. Wie sich die beiden erst misstrauisch beäugen und dann nach einen Vertrauenstest doch zusammenschließen, ist von Topol und Moore einfach schön spannend gespielt. Bösewicht Kristatos, der von Julian Glover unterkühlt und über den Dingen stehend verkörpert wird, ist ziemlich unerinnerungswürdig und hat im Laufe des Films nicht viel zu tun, außer auf die finale Konfrontation mit Bond zu warten. Das ist natürlich dem Drehbuch in die Schuhe zu schieben, das ihm keinen konrekten Plan gibt, dessen Gelingen schwerwiegende Folgen hätte. Jede Konfrontation mit ihm wirkt beliebig und Bond kann bei ihm eine "Komm ich heut nicht, komm ich morgen"-Einstellung an den Tag legen.

Was diesen Film aber dann am meisten zugute kommt, sind die Actionsszenen. Ob es nun eine Verfolgunsgjagd in Melindas Ente ist, der sich des öfteren mal überschlägt und von Dorfbewohner wieder auf die Beine gebracht werden muss oder eine wilde Ski-Hatz, die quer durch den Wald, über Skisprungschanzen und Bob-Bahnen geht: Der Spaß hört einfach nicht auf. Die begleitende Disco-Funk-Musik passt seltsamerweise auch gut dazu. Weitere Action-Highlights sind eine Unterwasseraktion, in der Bond und Melinda den ATAC bergen wollen und dabei attackiert werden. Normalerweise finde ich Unterwasser-Szenen ziemlich lahm, aber diese generiert ihre Spannung durch das Knappwerden des Sauerstoffs und den Kampf mit einen von Kristatos Leuten im klaustrophobischen Wrack. Ungeschlagen ist jedoch Bonds Kletteraktion, bei der er auf einen verdammt hohen Berg steigen muss, um Kristatos Lager zu stürmen. John Glen fängt das Ganze sehr packend und schwindelerregend ein unddies ist wahrscheinlich eine der spannendsten Szenen, die es im Bond-Universum gibt.

Hauptdarsteller Roger Moore wirkt als Bond inzwischen mehr wie ein netter, gutmütiger Onkel, auch wenn er durchaus seine dunklen Seiten hat. Ansonsten spiegeln die Bond-Girls in gewisser Weise Moores Alter wieder. So ist Bibi Dahl, Kristatos Protege, so jung, dass Bond ihr Großvater sein könnte. Hier muss er sich von der männerverschlingenden, freizügigen Blondine in Acht nehmen, um nicht in Schwierigkeiten zu gelangen. Auch bei Melinda hält sich Bond bis zum Ende zurück und hilft ihr zuerst nur dabei ihre Eltern zu rächen. Die einzige Frau mit der davor schläft ist die Gräfin, die ungefähr in seinem Alter ist. Und letztendlich ist dann "In tödlicher Mission" ein guter Bondfilm, der hauptsächlich von seinen zahlreichen Action-Setpieces zusammengehalten wird und einen sehr dünnen Plot hat, dem es etwas an Dringlichkeit und Konsequenz mangelt.

7/10

Zum Jubiläum 2012 gab es eine tolle Box, die alle Filme (nur "Sag niemals Nie" fehlt, da dieser Film nicht offiziell zur Reihe gehört) rund um den Geheimagenten 007 enthält - es war sogar Platz für den zu dem Zeitpunkt im Kino laufenden "Skyfall".