Freitag, 20. Februar 2015

悪の経典 - Aku No Kyôten - Lesson Of The Evil (2012)

http://www.imdb.com/title/tt2294473/

Englischlehrer Hasumi (Hideaki ITO) ist jung, attraktiv und wird von Schülern wie auch Kollegen vergöttert. Doch hinter seiner charmanten Fassade verbirgt sich ein gestörter Soziopath: Mitgefühl und ein Gewissen sind Hasumi fremd. Auf Vergehen wie Schummeln oder Mobbing folgen daher bald Maßregelungen der besonderen Art: Er erpresst, foltert und ermordet seine Schüler, um im Unterricht wieder Ordnung herzustellen. Auch cholerische Eltern und misstrauische Kollegen müssen dran glauben, bis er sich ganz und gar in seinem Blutrausch verliert und ein nicht mehr zu vertuschendes Massaker begeht. Aber selbst in den Fängen der Polizei weiß sich Hasumi zu helfen...

Mitunter muss man sich wohl die Frage stellen, ob Takeshi Miike nicht "ein wenig" krank ist, spiegeln doch seine Filme ganze Orgien der Gewalt wieder. Insofern ist es auch ein reines Wunder, dass es "Lesson Of The Evil" überhaupt unangestastet durch die FSK-Prüfung geschafft hat, serviert doch der Meister in der letzten dreiviertel Stunde eine wahre Schlachteplatte, für die so manch anderer Film die rote Karte (nicht mehr) gesehen hat. "Lesson Of The Evil" ist eine in der Tat bitterböse Lehrstunde voller Zynismus, die Miike dem Zuschauer vorsetzt. Anfänglich schlägt der handwerklich überaus gelungene Film noch sehr ruhige Töne an und verschleppt auch öfters mal das Tempo. Die erste Hälfte wird quasi nur genutzt, um den gewöhnlichen Alltag an einer japanischen Schule zu zeigen. Schnell könnte man sich als Zuschauer dabei ertappen, wie man an den simplen, stereotypen Eigenschaften der Schüler, den bekannten Handlungssträngen rund um Schummeleien bei Prüfungen oder Mobbing, sprich der bekannten Normalität, Gefallen findet. Er gibt sich merklich unauffällig, spielt genüsslich mit Klischees und Banalitäten, aber es brodelt unter der Oberfläche - das merkt man zu jeder Sekunde.

All dies tut er, nur um moralische Konventionen und wohlige Sehgewohnheiten später surreal, exzessiv und überzogen mit einer Schrotflinte räudig über den Haufen zu schießen. Er gipfelt damit in einem schier nicht endenwollenden, derben, kompromisslosen und in seiner heftigen Radikalität nur schwer zu überbietendenden, exzessiven Blutbad, dass sich ins Gedächtnis brennt und ganz sicher niemanden kalt lässt. Darstellerisch werden hier sicher keine Bäume ausgerissen, doch der Hauptdarsteller kann in seiner ebenso intelligent-überlegenen wie grausam-psychopathischen Rolle weitestgehend überzeugen, auch wenn er ab und an in den Overacting-Modus abdriftet. Aber aufgrund des grotesk-schockierenden und völlig tabulosen Finales bekommt dieser mit über 2 Stunden etwas zu lang geratene, aber dennoch unbedingt sehenswerte Streifen von Meister Miike eine Höchstwertung.

8/10