Sonntag, 28. Dezember 2014

Big Bad Wolves (2013)

http://www.imdb.com/title/tt2309224/

Ein Mädchen verschwindet in den Wäldern und wird kurz darauf ohne Kopf wiedergefunden. Sie ist eines der Opfer einer Serie brutaler Kindsmorde, die in einer Kleinstadt drei Männer zusammenführt: Der rachedurstige Vater des letzten Opfers (Tzahi Grad), ein Polizist (Lior Ashkenazi), der sich abseits des offiziellen Protokolls Straftäter zur Brust nimmt, und der Hauptverdächtige (Rotem Keinan). Der unscheinbare Religionslehrer wurde zuvor von der Polizei festgenommen, aber wieder freigelassen. Polizist Miki hofft ein Geständnis aus dem verdächtigen Dror rausprügeln zu können. Die Aktion mit den bezahlten Schlägern geht aber nach hinten los, denn sie landet als Video zum Thema Polizeigewalt in den israelischen Medien und Miki wird gefeuert. Weder er noch der Vater des kleinen Mädchens haben nun noch etwas zu verlieren. Bei der geplanten Entführung und Folterung des Hauptverdächtigen bleibt nur die Frage, ob er es wirklich war und wenn ja, wieweit Selbstjustiz gehen kann...

Ein Kind wird vergewaltigt und ermordet. Der Vater und alle Involvierten wissen ganz genau wer der Täter ist, haben aber keinerlei Beweise. Die Ohnmacht, Wut und Vergeltungsgelüste sind unstillbar. Die Frage lautet: würde man sich den Mörder schnappen, ihn foltern um Genugtuung und den Ort der Leichenteile zu erfahren? Und was ist, wenn dann zwei Regisseure (Aharon Keshales und Navot Papushado) Kindesmissbrauch und die damit verbundenen Notlagen der Opfer benutzen, um in Form einer, mit beinahe schon anmaßendem Humor und drastischen Übersitzungen durchzogene Groteske genau diesen Menschen den Spiegel vorhalten?

Das möglicherweise nicht alles Gut und Böse ist. Oder das der Ruf nach Rache, ganz besonders bei pädophiler Schändung, so verständlich er auch ist, kein Ergebnis erzielt. Wird so ein Tabuthema verabscheuungswürdig ausgebeutet, für den oberflächlichen Reiz des Torture-Porn ausgebeutet? Nein. Obwohl "Big Bad Wolves" hier einen großen Balanceakt auf schmalem Grat darstellt.

Allerdings meine ich auch, dass Satire alles darf, solange sie als solche erkennbar ist. Und dieser Streifen ist einer der grausamsten und gleichzeitig bösartigsten Satiren die ich kenne. Zielsicher reflektiert er die Gier nach niederer Bedürfnisbefriedigung, allgemein und insbesondere innerhalb von Torture-Porn- bzw. Revenge-Filmen und führt sie ad absurdum. Soweit, das sogar die moralischen Fragen ambivalent beantwortet werden. Und wie ich es bei solchen Filmen auch immer erhoffe, bietet das Ende den erwarteten schmerzhaften Schlag in die Magengrube, der die Kiefer nach unten klappen und einen mit offenem Mund vor dem Bildschirm zurücklässt.

Das dieses pechschwarze Kammerspiel die Zustimmung von Quentin Tarantino erfahren hat, immerhin wird er auf dem Cover zitiert, überrascht mich dabei nicht. Nicht nur wegen seinem Spiel mit verschiedenen filmischen Motiven, seinen geistreichen Wortwitz, expliziten Gewaltdarstellungen und bösartig-grellen Humors, sondern auch weil hier Kino geboten wird, das versucht an die Geschmacksgrenzen zu gehen, über den Deckelrand hinaus schaut aber trotzdem genügen Distanz bewahrt. Ein großartiger, böser und spannender Streifen.

8/10