Sonntag, 21. September 2014

O Brother, Where Art Thou? - Eine Mississippi-Odyssee (2000)

http://www.imdb.com/title/tt0190590/

Im tiefsten Süden der USA in den 1930ern begibt sich der Sträfling Everett ‘Ulysses’ McGill (George Clooney) mit seinen Leidensgenossen Pete (John Turturro) und Delmer (Tim Blake Nelson) auf einen Roadtrip der besonderen Art. Ulysses überredet seine Mitgefangenen zur Flucht und verspricht ihnen einen Anteil an einem geheimnisvollen Goldschatz. Und so begegnen die entlaufenen Sträflinge auf ihrer Reise einigen skurrilen Gestalten, so zum Beispiel einem Musiker, der seine Seele an den Teufel verkauft hat, einem Bankräuber, einem gerissenen Politiker und drei Sirenen.

Manchmal ist Logik einfach nicht erstrebenswert und in "O Brother, Where Art Thou?" auch nicht wirklich notwendig. Auf der Suche nach der Beute eines erfolgreichen Raubzuges erleben die drei flüchtigen Sträflinge Everett, Pete und Delmar eine skurrile Odyssee durch den Staat Mississippi. In traumhaften Südstaaten-Kulissen, die alles in gelbes Laub und warmen Licht hüllen, streifen die Drei durch das Land, in der Hoffnung den "Schatz" zu finden und ein neues Leben zu beginnen. Doch immer wieder geraten sie in absurdeste Situationen - ob auf einer Verfolgungsfahrt mit "Babyface" Nelson, bei einer Versammlung des Ku-Klux-Klans oder bei einer Studioaufnahme, die sie zufällig zu Stars der Country-Musik macht.

"Ein Narr ist, wer nach Logik in den Kammern des menschlichen Herzens sucht."

Eine wunderbar phantasievolle Übersetzung von Homers Odyssee in die USA der 30er Jahre, eingebettet in märchenhaft anmutenden Bildern und einen wohlklingenden Soundtrack, der unmöglich hätte besser passen können. Die Coen-Brüder nehmen den Zuschauer wieder einmal mit auf ein Abenteuer voller Witz, Ungereimtheiten, Skurrilitäten, Magie, großartiger Dialoge und inspirierten Darstellern, eine Reise durch Mississippi, über Wiesen, durch Wälder, an Flüssen entlang und durch kleine Städtchen in den wogenden Klängen von Blues und Country und den "Soggy Bottom Boys". Besonders positiv gefiel mir die ironieerfüllte Authenzität, die durch die opulente Ausstattung und den Hillbilly-Sound vermittelt wird. Sonne, Staub und Schweiß - so gehört sich das.

Einziger und größter Schwachpunkt ist meiner Ansicht nach die Story, die in einem für mich recht belanglosen Finale endet. Aber auf dem Weg dahin darf man sich an vielen anderen Dingen erfreuen und mit Auge, Ohr und Herz genießen. Mit Pomade im Haar und der Ratte auf dem Grill schaut man den schrulligen Drei bei ihrer Schatzsuche zu, auf welche Wege es sie verschlägt und- vor allem - auf welche Menschen sie treffen. Unterhaltsam und sehr witzig.

 8/10