Freitag, 15. August 2014

Full Metal Jacket (1987)

http://www.imdb.com/title/tt0093058/

Parris Island, South Carolina, in den USA der 60er Jahre: Eine Gruppe junger Marines wird für ihren Einsatz in Vietnam ausgebildet und dabei von ihrem sadistischen Ausbilder Sergeant Hartman (R. Lee Ermey) gedemütigt und schikaniert. Full Metal Jacket folgt dem jungen Private Joker (Matthew Modine) durch seine brutale Ausbildung, während der er bereits einen grausamen Vorgeschmack auf das bekommt, was ihn später in Vietnam erwartet.

Stanley Kubricks "Full Metal Jacket" ist wohl der Antikriegsfilm schlechthin. Nie wieder hat ein derartiger Streifen eine solche Wirkung erzeugt, abgesehen vielleicht von "Deer Hunter". Die erste Hälfte ist nicht die bessere und die zweite auch keineswegs die schlechtere Hälfte des Films. Aber beide Filmhälften sind ambivalent. Es gibt etliche Filme, die sich mit dem amerikanischen Trauma des Vietnamkrieges auseinander gesetzt haben, angefangen bei Klassikern wie "Platoon" bis hin zu verstörenderen Filmen wie "Apocalypse Now".

Der erste Teil des Filmes zeigt die Ausbildung der Marines. Diese Phase wird geschickt als einen Automatismus der Identitätslöschung karikatiert. Männlichkeitsriten wechseln sich mit Machogehabe ab und kulminieren in einem großen, beinahe undurchsichtigen Durcheinander. Junge Männer werden zum Töten ausgebildet und an dieser Stelle tritt auch ein stilistischer Bruch ein, der dem Film einen beinahe schizophrenen Charakter verleiht. Der zweite Teil widerum spielt in Vietnam und zeigt dort, wenn auch nicht zu dramatisch, den Alltag. Wie es eben so Kubricks Art ist. Über den Protagonisten schwebt kontinuierlich eine Wolke von Sarkasmus und Ironie, sodass man als Betrachter nur schwer erraten kann, was ernst gemeint ist. Hier erreicht der Streifen seinen Höhepunkt und sieht die Handlung in der widersprüchlichen Tat, mit der Private Joker auch den Film beendet.

Matthew Modine spielt einen hervorragenden Part, aber man sollte  auch die Nebendarsteller nicht vergessen, allen voran Vincvent D'Onofrio (Private Pyle), Arliss Howard (Cowboy) und Adam Baldwin (Animal Mother). R. Lee Ermey als Ausbilder Gny. Sgt.  Hartman hat hier eine seiner wohl eingänglichsten Rollen, die später immer mal wieder karikatiert wurde. Erwähnenswert ist auch der hervorragende Soundtrack, der Szenen oft mit alt-rockigen und einprägsamen Stücken (Wooley Bully", "Surfin' Bird") untermalt. Vollkommen zu Recht gehört "Full Metal Jacket" zu den ganz großen (Anti-)Kriegsfilmen, auch wenn man vor allem im zweiten Akt sicherlich noch mehr aus ihm hätte herauskitzeln können. Doch trotz dieses (zugegeben geringen) Makels zeigt Kubrick zeitlose Bilder eines menschenverachtenden Militärsystems, eines sinnlosen Krieges und ist zwangsläufig schlicht und ergreifend ein Film, den man Gesehen haben muss.

"Die tödlichste Waffe der Welt ist ein Marine mit seinem Gewehr! Es ist euer Killerinstinkt, der voll da sein muss, wenn ihr im Kampf überleben wollt! Euer Gewehr ist nur ein Instrument! Töten kann nur ein Herz aus Stahl! Wenn euer Killerinstinkt nicht stark und rein ist, werdet ihr zögern, wenn es drauf ankommt! Dann werdet ihr nicht töten, dann werdet ihr tote Marines sein! Und dann seid ihr in einer Welt voller Scheiße! Weil es Marines nicht erlaubt ist, zu sterben, ohne dass das genehmigt worden ist! Habt ihr Armleuchter das kapiert?"

Einfach grandios.

9/10