Sonntag, 13. Juli 2014

Any Given Sunday - An jedem verdammten Sonntag (1999)

http://www.imdb.com/title/tt0146838/

Als Star-Quarterback Cap Rooney (Dennis Quaid) durch einen schweren Schlag spielunfähig wird, kommt ein junger, unbekannter Ersatzmann für ihn ins Team. Der Neuling zeigt eine beeindruckende Leistung, und so muß der gealterte Trainer Tony D’Amato (Al Pacino) seine Taktik neu abstimmen. Auch Christina Pagniacci (Cameron Diaz), die neue Besitzerin und Präsidentin des Teams, übt einigen Druck auf die Mannschaft aus, um sich in einer von Männern dominierten Welt zu behaupten...

"Because in either game - life or football - the margin for error is so small. I mean, one half a step too late or too early and you don't quite make it. One half second too slow, too fast and you don't quite catch it. The inches we need are everywhere around us."

Was könnte an einem Tag, an dem das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft stattfindet, besser passen, als ein Film über Sport. Über American Football, für mich einer der härtesten und kontaktfreudigsten Sportarten der Welt?

Es ist ein typischer Film von Oliver Stone, hart aber gerecht. Im Nachhinein betrachtet fast schon eine Mischung aus Kriegs- und Gladiatorenfilm, der von Anfang an mit unglaublicher Wucht aus dem Bildschirm springt und den Zuschauer regelrecht überrennt. Dazu die hektisch geführten Dialoge, immer durch Hintergrundmusik- oder geräusche fast kaum zu hören. Man freut sich über jede Ruhepause, in der man mal kurz nach Luft schnappen kann. Aber selbst diese anfänglich ruhigen Passagen laufen schnell mal aus dem Ruder und enden oft genug in einem chaotischen Streit. All das macht "An jedem verdammten Sonntag" aus. Man ist immer hart am Zentrum des Geschehens, man fühlt die Energie und Gewalt dieses Sports, man erlebt hautnah mit, was die Spieler selbst erleben, ein Chaos aus Leibern, Schreien, Beleidigungen, Schmerzen und Blut. Wir sehen die Spieler in den Pausen und nach dem Spiel, am Tropf hängend, mit Schmerzmitteln ruhiggestellt.Eben all das, was man sonst so nie zu sehen bekommt.

Wie vom Regisseur wahrscheinlich beabsichtigt, ist dieser intensiv-emotionale Einblick in die American-Football-Szene kurzum gleichermaßen erschreckend wie faszinierend. Anhand eines Teams aus Miami wird in dezenter Überlänge allerlei Schicksalswege und Erfolg/Misserfolg-Optionen ins Visier genommen. Dabei zieht Stone formal so gut wie alle Register, was Bildsprache, Schnittfolge, die Auswahl an expliziten Szenen oder die Musikuntermalung angeht. Die Spielsequenzen sind dementsprechend furios. Eine langsame Sogwirkung entsteht für den Zuschauer, wenn der Weg durch die Endphase der Saison immer dramatischere Züge annimmt. Gleichzeitig bleibt ein trauriger, melancholischer Unterton ständig dabei, nachdem auch die Schattenseiten dieses Profisports eindeutig gekennzeichnet werden. Diese überschwängliche Vielfalt an unterschiedlichsten Eindrücken beeindruckt bisweilen sehr.

Sowohl Al Pacino als auch Jamie Foxx füllen die Zweckgemeinschaft des Coaches (Pacino) und Quarterbacks (Foxx) sehenswert mit Leben und Gefühl. Wie klischeehaft oder symptomatisch u.a. diese beiden Typen diesen Sport kennzeichnen, vermag ich nicht eindeutig zu beurteilen. Doch es funktioniert für diesen Film sehr gut, genauso wie die Nebenhandlungen in Sachen wirtschaftlicher Zukunftsschreibung des Vereins oder die nicht zu unterschätzenden Gesundheitsrisiken des Sports. Unbequem aber trotzdem sehr sehenswert.

8/10