Freitag, 20. Juni 2014

Hostel (Extended Version) (2005)

http://www.imdb.com/title/tt0450278/

Sie suchen das Abenteuer und finden das nackte Grauen! Die beiden abenteuerlustigen College-Freunde Paxton und Josh sind mit ihrem neuen Kumpel, dem Isländer Oli, mit dem Rucksack unterwegs auf Europa-Tour. Da bekommen sie einen Geheimtipp: Abseits der üblichen Reiserouten soll im tiefsten Ost-Europa ein Nirwana für Backpacker liegen - ein Hostel in der Slowakei, in dem atemberaubende und obendrein noch willige Frauen auf sie warten. Und tatsächlich: Die Freunde lernen die beiden Schönheiten Natalya und Svetlana kennen und sie haben die Zeit ihres Lebens. Doch die währt nur kurz. Zu spät bemerken sie, dass sie in einer tödlichen Falle sitzen. Flucht ist unmöglich - sie stecken bereits mitten in den finstersten Abgründen der menschlichen Natur. Was sie dort erleben, ist so unvorstellbar, dass es alles in den Schatten stellt, was an Grausamkeit und Perversion bislang bekannt war und nur als Mythos galt. Haben sie eine Chance, diesen Alptraum zu überleben?

"Hostel" - der Innbegriff und Auftakt für das Genre des Torture-Porn. Mir ist bewusst, dass viele diesen Film regelrecht hassen, aber mir geht es hier wie bei einem Autounfall: ich kann einfach nicht wegschauen und lege ab und zu die Disc in meinen Player...

In seiner meiner Ansicht nach ehrlichsten Szene lässt "Hostel" seinen Protagonisten einen dreckigen Gang entlang schleifen, an dessen Seiten er das ganze Ausmaß des ihn erwartenden Leiden sieht und im Sekundentakt flashen stroboskopartig auch auf den Zuschauer Bilder des Grauens ein, die ohne nennenswerten Zusammenhang in völliger Reizüberflutung aneinandergereit werden. Vor allem in seinem Finale baut der Streifen nämlich auch nicht auf wirkungsstarke Dramaturgie oder ausgefeilte Inszenierung sondern auf die pure Gewalt. Regisseur Eli Roth will hier nichts erzählen, ihm reicht die reine Schockwirkung. Und wenn ich dann wegen Bildern von aufgeschnittenen Achillesversen oder geöffneten Brustkörben zusammenzucke, dann will Roth nichts anderes zeigen, als dass durch die Bilder eben dieses Erschrecken entsteht. Während seinem ebenfalls sehr sehenswerten Erstling "Cabin Fever" noch die Lust am Thrill und dem Hommagieren der Genretraditionen zugrunde lag, geht es hier rein um das Zeigen körperlicher Folter. Und so schwebt zusammen mit dem bedrohlichen Gefühl der Gewalt über den slowakischen Kellerräumen auch die Frage: warum?

In dem er die dunkle Seite der menschlichen Faszination für Gewalt in all seiner Deutlichkeit aufzeigt, macht Roth hier Horror genauso wie er sein sollte: nicht pubertär und zitatgeil sondern scharfsinnig und unangenehm. Trotzdem lässt sich Roth zu viel Zeit, um mit dem Grauen hinter dem Berg hervorzukommen und lässt seine 3 Protagonisten erst einmal durch Europa reisen, ohne das irgendetwas Auffälliges passiert - von exzessivem Sex oder Drogenmißbrauch mal abgesehen. Die Zeit hätte man natürlich zur Charakterentwicklung nutzen können, man kann es aber auch machen wie Roth und einfach die ganze Zeit Leute beim Sex oder beim Kiffen filmen. Das hat etwas Primitives und auch was Langweiliges, aber gut, das ist wohl sein Stil. Das Grauen kommt dann ab der Hälfte urplötzlich und mit voller Härte. Paxtons Selbstjustizschlachtzug am Ende kommt dann aber ziemlich unreflektiert und nicht sorgfältig genug daher. Die Wut ist nachvollziehbar, die Darstellung aber eher lieblos. Auch die Location Osteuropa trieft voller Vorurteile.

Roth weiß, was er zu tun hat und wie er gewisse Reaktionen hervorrufen kann. Dabei verlagert er den Schrecken sehr oft auf die Ton- oder Andeutungsebene um ihn dann umso erbarmungsloser zurück ins Bild zu rücken. Das ist sehr gekonnt, vor allem, wenn man bedenkt, dass das hier erst sein zweiter Film ist. Und natürlich ist "Hostel" über die Maßen brutal. Warum ihm so eine einschneidende Bedeutung zukommt oder zukommen sollte, liegt aber nicht an der Brutalität sondern daran, wie sie eingesetzt wird. Wie oben schon erwähnt, dient sie hier keinem erzählerischen oder emotionalem Zweck mehr und lässt sich auch psychologisch oder storytechnisch auf Nichts zurückführen als auf den reinen sadistischen Trieb. Außerdem soll sie auch beim Zuschauer keine Spannung oder Spaß sondern nur noch den Schock und Ekel hervorrufen. Ich schätze, in einigen Jahren wird der Film wohl als (zurecht!) streitbarer Klassiker gelten, über den jeder Generefilmfan mindestens einmal gesprochen hat.

7/10

Von NAMELESS Media kommt der Film ungeschnitten/unrated in HD im auf 555 Stück limitierten und nummerierten Mediabook: