Sonntag, 4. Mai 2014

Jarhead - Willkommen im Dreck (2005)

http://www.imdb.com/title/tt0418763/

"Jarhead" basiert auf dem gleichnamigen Buch des Marine Anthony Swofford, genannt Swoff, in dem er seine Erfahrungen während des ersten Golfkriegs der Amerikaner im Jahr 1991 beschreibt. Der damals 20-jährige Scharfschütze schildert das Grauen des Krieges, die Allgegenwart des Tötens und Getötetwerdens und von der Verheerung, die der Krieg in den Seelen aller Beteiligten anrichtet. Der Film behandelt auch die Zeit im Ausbildungslager und den Aufenthalt in der saudischen Wüste. Irak 1991: Die US-Marines wühlen sich durch den heißen Wüstensand – immer dem Feind entgegen. Mittendrin Sergeant Sykes (Jamie Foxx), Anführer eines Marine-Platoons, und dessen Scharfschütze Swoff (Jake Gyllenhaal), soeben aus dem Ausbildungscamp entlassen. Bewaffnet mir einem Präzisionsgewehr, behangen mit einem Fünzig-Kilo-Rucksack, ziehen sie ins Ungewisse. Schutzlos der erbarmungslosen Hitze und den irakischen Soldaten ausgeliefert, können sie ihre Tage nur mit schwarzem Humor und einer deftigen Prise Sarkasmus ertragen. Sie kömpfen in einem Land, das sie nicht kennen, gegen einen Feind, den sie nicht sehen, in einem Krieg, den sie nicht verstehen. Was wird der nächste Tag bringen?

"Jarhead", ein Kriegsfilm, ein Antikriegsfilm, spielt das eine Rolle? Regisseur Sam Mendes schickt uns alle wieder ins U.S. Marine Corps. und auf eine Zeitreise in den Irak Krieg und zum Einsatz "Desert Shield" und später "Desert Storm", als Saddam Hussein noch  das Feindbild der westlichen Welt war. Doch weniger um den Kriegstyrannen, dreht es sich hier um das Individuum: den Soldaten. Er zeigt oberflächlich Ängste, Sorgen und Nöte. Und soweit Gold nicht alleine glänzt, so ist auch Schweigen nicht unbedingt Gold. Ein Soldat nimmt aufgrund eines Befehls Menschen das Leben, und soll auf Grund seiner Taten ebenso behandelt werden. Doch was macht der Krieg aus diesen Menschen? Nach teils hartem Drill, entweder zynische Wichser, oder Kampfschweine denen mittlere Katastrophen nicht mal im Ansatz Panik generieren können. Alles Bullshit. Sie sind in erster Linie Menschen mit Gefühlen, Sorgen, Nöte und Ängste. Und während sie in der Welt einen Auftrag ausführen zum "Wohle" ihrer Nation, drehen sich doch stetig die Gedanken ans zu Hause. Und wer das Glück hat zu Hause eine Frau hat, kann froh sein, oder unnötige Last besitzen, wenn er erfahren muss, dass sie gerade mit einem anderen rumvögelt. Was ist dann mit den Waffen ausgestatten Helden der Nation? Sind sie davon unbeeindruckt? Sind sie nur die Killer vom Dienst? Nein. Sind sie nicht.

Und genau diesen Ansatzpunkt versucht Mendes zu vermitteln, in einer Weise die einfach nicht besser ging. Und da ist es egal, ob gerade Slowmo Shots von fallenden Patronenhülsen eingefangen werden, oder etliche Detonationen von Bomben die Landschaft regieren. Fernab davon setzt er auf Psychologie. Sie ist ein immens wichtiger Faktor in Kriegsgebieten, neben der eh schon etablierten blanken Gefahr. Und Irak war dank der Wüstenregion auch nicht gerade der Kühlschrank an Globalen Schauplätzen für Kriegsszenarien. Die Gefahr die dich umgibt, die Sorgen ans zu Hause und dazu die Hitze. Scharfe Faktoren um mal kurzerhand auszuticken. Ohne Ankündigung. Wie heisst es so schön, bei Schmerzen kann ein Arzt helfen, aber gegen Panik gibts kein Patentrezept. Also ist bei all dem Stress, ein Hauptaugenmerk die Kameradschaft das A und O. Der Zusammenhalt. Doch in angespannten Umständen wird diese auch oft eine harte Probe gestellt. Ich mag behaupten, der Regisseur hat es nicht besser machen können unter diesen Umständen.

Auch blieb der sonst so in den Mittelpunkt gerückte Pathos aus, lediglich leichte Lobhudelei auf das U.S. Marine Corps., was schon recht wohltuend war. Und wenn ich die Kameradschaft schon anschneide, dann auch die Eigeninitiative, in langweiligen Phasen Abhilfe zu schaffen. Recht häufig wurde zwar das Thema masturbieren erwähnt, was wirklich nicht ungewöhnlich sein dürfte, aber auch Beschäftigungen wie Football spielen, Skorpion Kämpfe oder illegale Partys bewarte die Truppenteile davor um nicht ganz auszurasten. Doch mit das wichtigste für die Soldaten, ist das Gelernte auch anwenden zu können, so auch für Gyllenhaal als Scout Sniper den einen perfekten Schuss zu landen. Sein Sniper ist Peter Sarsgaard, dem es noch wichtiger erscheint, in diesen Krieg auch wirklich jemanden getötet zu haben. Doch wie erwähnt, bleibt vieles oberflächlich, so dass die Zerreißprobe der Soldaten halt nur im Ansatz widergespiegelt werde konnte. Weil es einfach nicht besser ging, um es nicht noch künstlicher zu transportieren. Darum war der Weg schon gut, den Mendes da gewählt hat. Insofern ist Jarhead ein völlig anderer Kriegs/Antikriegsfilm und auch kein Vergleich mit anderen Filmen derselben Gattung. Denn: nicht jeder Krieg ist gleich, und jeder Krieg ist das Gleiche.

7,5/10