Donnerstag, 1. Mai 2014

Hulk (2003)

http://www.imdb.com/title/tt0286716/

Obwohl der Strahlenphysikexperte Dr. Bruce Banner (Eric Bana) während eines Arbeitsunfalles starker Gammastrahlung ausgesetzt worden ist, ist er nach dem Zwischenfall überraschenderweise bei bester Gesundheit. Unsichtbar ist aber das Erwachen des gefräßigen Mr. Hyde, der bis zu dem fatalen Unfall in ihm geschlummert hatte. Als kurz darauf auch noch der viele Jahre totgeglaubte Vater von Bruce, David Banner (Nick Nolte), vor ihm steht und von einer genetischen Bürde berichtet, die er vermutlich an Bruce weitervererbt hat, dauert es nicht lange, bis sich die Befürchtung des Vaters bewahrheitet. Wenn Bruce wütend wird, verwandelt er sich in ein riesiges grünes Monster, das alles verwüstet, was sich ihm in den Weg stellt.

Ang Lee´s "Hulk" ist meiner Meinung nach ein kleines Meisterwerk. Nicht nur in Bezug auf Comicverfilmungen, sondern auch als ernsthaftes Drama weiss der Film zu überzeugen und es gibt im Grunde genommen nichts was ich nicht großartig an diesem Film finde. Angefangen bei der atemberaubenden Kameraarbeit, den dazugehörigen, fantastischen Schnitten, Szenenübergängen, Bild-In-Bild-Einstellungen und comichaften Überblendungen, über die wunderschöne, stimmige Musik von Danny Elfman, bis hin zu den tollen Figuren, etwas überzeichneten, aber passenden Dialogen, die nicht der immer wiederkehrende, lauwarme 08/15-Aufguss des Comic Standard Repertoire sind. Es ist ein tolles und gleichzeitig leider vollkommen missverstandenes Werk, das Regisseur Ang Lee hier präsentiert.

Das wirklich Großartige an dem Film sind die bereits angesprochenen Charaktere und deren Geschichte, das Konfliktpotential und daraus resultierende Drama. "Hulk" ist per Definition keine typische Comicverfilmung, in der der Held gegen einen Schurken oder eine Armee an Kreaturen antritt und die Welt vor dem totalen Aus rettet. "Hulk" ist in erster Linie ein Drama, das einerseits alles rund ums Thema "Kinder und ihre Eltern/Eltern und ihre Kinder" behandelt, andererseits aber auch eine Liebes- und die Herkunftsgeschichte des untypischen Superhelden Hulk erzählt. Zwar wird auch hier mal wieder ein Held in der Krise gezeichnet, allerdings ist Hulk nun mal genau das und das auch noch ständig. Kein anderer Comicheld ist wohl innerlich so zerrissen, wie Bruce Banner alias Hulk, niemand anderes durchläuft eine derartige Transformation und ist selbst sein größter Feind. Und so muss Hulk eben nicht gegen einen klassischen Widersacher kämpfen, sondern versucht sich vor sich in erster Linie selbst zu retten. So war das in den Comics, so war es imemr angelegt und der Film entspricht diesem Bild zu 100%.

Innerhalb dieser außergewöhnlichen Geschichte tummeln sich so einige Figuren, die unter anderem von Sam Elliot, Eric Bana, Nick Nolte & Jennifer Connelly verkörpert werden. Das Bemerkenswerte ist, dass keiner der Haupt- und Nebencharaktere blass bleibt. Alle Figuren zeigen diverse Facetten ihrer selbst, der Zuschauer kann ihr Handeln nachvollziehen und selbst die Gegenspieler bleiben irgendwie menschlich, werden nicht verteufelt und eine einfallslose Schwarz-Weiss-Zeichnung bleibt außen vor – mit Ausnahme der Figur Talbot (Josh Lucas).

All dies wird nun meisterhaft in eine beinahe schon "klassische" Herkunftsgeschichte im Comic-Stil eingebunden, in der das Militär und ein Waffenhersteller hinter Bruce Banner/Hulk her sind, um dessen Fähigkeiten für sich zu nutzen und mit viel bombastischer Zerstörungsaction verfeinert. Und letzteres hat es wirklich in sich. Hulk zerbröselt und vermöbelt massive Panzer, prügelt Helikopter die Rotoren aus dem Leibe, geht auf Spritztour mit einem Düsenjäger und ringt mit übergroßen Mutantenhunden und entwurzelt dabei ein paar Mammutbäume.
Diese stufenweise Entwicklung der Figuren und die Erzählung der Story an sich sind genial; dient noch der erste Akt dazu, die komplexe Story mitsamt ihren Figuren vorzustellen, geht es ab dem zweiten so richtig los: das Drama spitzt sich zu, die Action startet durch und dient dabei nicht dem Selbstzweck. Der dritte Akt schließt letztendlich mit einem durchdachten, runden Ende ab und bietet wie zuvor tolles Drama und brachiale Zerstörung.

Wem "Hulk" nicht gefällt, hat das Konzept des Streifens nicht verstanden oder weiss mit diesem nichts anzufangen. Wer eine klassische Comicunterhaltung sucht, ist hier definitiv falsch und sollte lieber auf andere (und auf eine andere Art) grandiose Comicverfilmungen ("Iron Man", "Avengers", Thor", Captain America") zurückgreifen. Dieser Hulk hier jedenfalls ist etwas sehr Besonderes.

8,5/10