Donnerstag, 9. Januar 2014

White House Down (2013)

http://www.imdb.com/title/tt2334879/

White House Down heißt es kurz nach seinem missglückten Vorstellungsgespräch bei der Chefin des Secret Service (Maggie Gyllenhaal): Der Ex-Cop und Sicherheits-Profi John Cale (Channing Tatum) hat sich soeben umsonst für einen Job als Leibwächter für den US-Präsidenten James Sawyer (Jamie Foxx) beworben. Nun will er wenigstens noch mit seiner Tochter eine Tour durch das Weiße Haus in Washington DC machen, doch dazu kommt es nicht mehr. Das Weiße Haus wird von Terroristen angegriffen und unter ihre Kontrolle gebracht. Nur der als Tourist ‘getarnte’ John Cale kann dem Präsidenten und einer Nation im Ausnahmezustand jetzt noch helfen.

2013 war das Jahr, in dem sich die USA gleich zweimal einer direkten Bedrohung im weisen Haus ausgesetzt sah. Einmal in Antoine Fuquas "Olympus Has Fallen", der nordkoreanische Terrorristen zur Tat schreiten lies und im mehr als doppelt so teuren "White House Down". Während Ersterer sich auf patriotische Aussagen beruft und sich damit schon fast selbst karikatiert, ist Regisseur Roland Emmerich mehr auf spaßige Action aus. Aber das hilft dem Film nicht wirklich. Ich erinnere mich noch gut an die Worte von John Landis, der auf dem FFFnights 2011 mit einem unverhohlenem Lachen zum Besten gab, dass sich alle Regisseure, Produzenten und Stars in Hollywood immer wieder auf einen neuen Emmerich-Film freuen würden. Was der Mann nämlich tatsächlich kann, ist Dinge zu zerstören. Und das so effektvoll wie es eben nur geht. Und das ist immer lustig. Zumal es eindeutige Markenzeichen gibt: der Star des jeweiligen Films rennt nämlich immer vor der Katastrophe weg - so auch hier. Da fliegen die Handgranaten und es explodieren die von Javelins abgefeuerten Flugkörper: aber der Held ist letztendlich der mit einem Kratzer, der kaum der Rede wert ist und hat eine blutende Nase - und hechtet sich immer gerade noch vor der Explosion in eine halbwegs sichere Nische.

Aber warum kann man den Film dann nicht zumindnest auf eine Stufe mit "Olympus Has Fallen" stellen? Naja, zum einen geht hier die Gefahr von Amerika selbst aus. Verräter in den eigenen Reihen, ach so patriotische Amerikaner, überfallen das weiße Haus und versetzen die USA in einen Schockzustand. Da hat es "Olympus Has Fallen" um Längen leichter, schließlich kann das zutiefst patriotische Volk jegliche Schuld von sich weisen. Sind ja immerhin die bösen Nordkoreaner aus ihrem abgeschotteten Land. Autor James Vanderbilt verpackt in diesen Mix aus "Stirb Langsam" und "Independence Day" einen kleinen Schuss Kritik an amerikanischer Politik. Er lässt Präsident James Sawyer, natürlich Afroamerikaner, in einem überlangen Monolog am Anfang über den Truppenabzug aus Afghanistan reden. Im gleichen Zug verdeutlicht er die Unzufriedenheit der amerikanischen Rüstungsindustrie seitens der drohenden Auftragseinbrüche. An diesem Punkt ist "White House Down" etwas mehr als purer Actionfilm.

Allerdings sorgt diese halbstündige Anfangsphase auch dafür, dass "White House Down" niemals auf der sicheren Seite steht. Dort gibt er sich merklich ernst, nur um sich später wieder in einen fast schon komödiantischen One-Liner-Actioner fallen zu lassen. Dieser ist allerdings meist übersichtlich gestaltet, auch wenn fast komplett auf eine härtere Gangart verzichtet wurde. Trotzdem übertreibt es Emmerich immer wieder hinsichtlich großangelegter und Computergenerierter Explosionsaneinanderreihungen. Immer wieder krachen schlecht animierte Hubschrauber ins Bild oder explodieren offensichtlich dem Rechner entstammende Flugzeuge. Das ist schade, denn sobald sich das Geschehen wieder dem engen Raum im weißen Haus zuwendet, erhöht sich automatisch der Spaßgehalt. Mehr "Stirb Langsam" und weniger "Independence Day" wäre angebracht gewesen - eben wie in "Olympus Has Fallen".

Mit den Hauptdarstellern Channing Tatum und Jamie Foxx hat Emmerich allerdings ein glückliches Händchen bewiesen. Zusammen ergeben sie ein gutes Team und die lockeren Sprüche tun dem Film merklich gut. Tatum überzeugt als einsamer Streiter (in weißen Feinrip-Unterhemd) für Recht und Ordnung, während Foxx den coolsten aller Präsidenten gibt. Warum allerdings wieder ein nerviges Kind in die Story integriert werden musste, weiß wohl auch niemand. Auch die Story ist extremst vorhersehbar.

Aber gut, immerhin ist der Streifen dennoch ein ordentlicher Actionkracher geworden. Zwar sind die Effekte (für das Budget!) auf einem niedrigen Niveau, aber sobald sich der Film aber auf seine Stärken besinnt, macht er Spaß. Da verzeihe ich ihm auch eine gewisse Unsicherheit in der Ausrichtung und dem einen oder anderen Aussetzer in Richtung Pathos. Denn vor allem im letzten Drittel versucht Emmerich alles, um sein Publikum wieder Pro-Amerika einzustellen. Aber das lässt sich bei dieser Art von Film wohl wirklich nicht vermeiden.

6,5/10

Der Film kommt auch in der limitierten Erstauflage in einem schicken, aber komplett(!) unbeschriftetem Steelbook. Soll heißen, der Filmtitel ist weder auf dem Spine, noch auf der Front zu finden, die Rückseite ist wie üblich eine Art Deckpapier. Na hoffentlich wird das nicht Mode...