Dienstag, 5. November 2013

Mama (2013)

http://www.imdb.com/title/tt2023587/

Die Punkrockerin Annabel Jones (Jessica Chastain) und der Comiczeichner Lucas Desanges (Nikolaj Coster-Waldau) sind ein Paar und eigentlich noch nicht bereit fürs spießige Familienleben mit Kindern und allem drum und dran. Doch dann nehmen sie gezwungenermaßen Lucas’ Nichten Victoria (Megan Charpentier) und Lilly (Isabelle Nélisse) bei sich zu Hause auf. Die beiden Mädchen lebten zuvor fünf Jahre allein in einer verlassenen Hütte im Wald, nachdem ihr Vater Jeffrey (ebenfalls Nikolaj Coster-Waldau) erst ihre Mutter tötete und dann selbst auf mysteriöse Weise ums Leben kam. Anfangs sind Victoria und Lilly scheu und ängstlich, denn es stellt sich heraus, dass die Mädchen verfolgt werden – von einer gefährlichen Kreatur, die sie Mama nennen. Und Mama kann sehr eifersüchtig werden, wenn ihren Kindern jemand zu nahe kommt…

"Mama" kann einen mit, für einen Horrorfilm untypisch dramatischen Szene direkt am Anfang in seinen Bann ziehen. Und auch wenn diese Dramatik leider etwas Einmaliges darstellt, so kann der der Film auch danach weiterhin problemlos begeistern. Dass "Mama" den Zuschauer in eine, im Horrorbereich bisher eigentlich unbekannte, recht neue Geschichte erzählt, lässt den Film auf der einen Seite nur selten vorhersehbar wirken und ebenso dürfte das wohl einen großen Teil zu der Möglichkeit beigetragen haben, den Film fast gänzlich ohne gängige Horrorklischees auskommen zu lassen, was gerade in diesem Genre doch angenehm erfrischend ist.

Auch baut er, unter anderem wohl bedingt durch die Szene am Anfang, unglaublich schnell eine tolle und vor allem bedrückende Atmosphäre auf, die er auch fast durchgängig halten kann. Vor allem die angenehm große Abstinenz nerviger Jumpscares trägt hier ihren großen Teil dazu bei, da so selten etwas vorhanden ist, das die Atmosphäre auf abrupte Weise für einen billigen Schock-Moment unterbricht. Zwar gibt es auch bei "Mama" ein paar wenige Ausnahmen, diese halten sich jedoch glücklicherweise sehr in Grenzen. Was ebenfalls seinen Teil zu der gelungenen Atmosphäre und dem Film überhaupt beiträgt, ist die Tatsache, dass man "Mama", zumindest größtenteils, nur selten, und wenn, dann nur in Bruchteilen zu sehen bekommt. Wenn sie mal auftaucht, dann ist sie doch hauptsächlich nur im Dunkeln und dadurch leicht schemenhaft zu erkennen. Natürlich sieht man mit zunehmender Lauflänge immer mehr von ihr, aber dennoch wird (bis zu einem gewissen Punkt) nie die Grenze überschritten, durch die es Überhand nehmen würde.

All die Aspekte, die den Film so grandios machen, werden aber leider nicht bis zum Ende aufrecht erhalten. Denn wenn die letzten Minuten des Films anbrechen, wird auf einmal viel zu viel über Bord geworfen und es wird, alles in allem, einfach zu viel des Guten. Man bekommt "Mama" im Überfluss vorgesetzt, die Atmosphäre gerät völlig in den Hintergrund und es wird auf ein großes Finale gesetzt, wobei genau das die letzten Minuten des Films zerstört und er von einem kleinen Finale wohl weitaus mehr profitiert hätte. So bleibt "Mama" zwar in den ersten 70 bis 80 Minuten ein seit langem mal wieder richtig guter Horrorfilm, dessen Eindruck jedoch sehr von seinem Ende getrübt wird und den Film so schlussendlich in einem weitaus schlechteren Licht dastehen lässt, als es eigentlich nötig gewesen wäre.

7/10