Sonntag, 20. März 2011

[KINO FFFnights] Secuestrados - Kidnapped (2010)

http://www.imdb.com/title/tt1629377/

Ein Home-Invasion-Film, der 2011 auf dem FantasyFilmFest nights lief und aufgrund seiner Art und Brutalität tiefe Furchen in die Gehirne der Zuschauer, inkl. mir, schlug.

Jaime und Marta, seit vielen Jahren glücklich verheiratet, ziehen mit ihrer pubertierenden, 16-jährigen Tochter Isa in ein neues, luxuriöses Haus um. Es sollte ein perfekter Abend werden: Nachdem die Möbelpacker fort sind, wird der Umzug mit Champagner gefeiert. Doch ihre heile Welt explodiert zusammen mit dem Schlafzimmerfenster in tausend Scherben. Eine brutale Bande dringt in die Villa ein und nimmt sie als Geiseln. Für die verängstigte Familie beginnt eine Nacht unfassbaren Terrors. Eine Tour de Force des realen Horrors.

Selten habe ich so einen harten und konsequenten Film gesehen. Er ist unglaublich dicht komponiert und mit vergleichsweise wenigen Schnitten gemacht - die meisten Sequenzen sind offenbar mit einer Steadycam und minutenlang ohne Cut entstanden. Das saugt in die Story hinein, und das macht alles nur noch schlimmer. Hervorzuheben ist besonders die Split-Screen-Szene, die nach wenigen Minuten nahtlos ineinander übergeht. Das ist schon perfekt. So eine Szene habe ich bis dato in keinem anderen Film sehen dürfen.

"Kidnapped" erfüllt alle Maßgaben, die dieses Genre stellt. Dabei ist das Drehbuch sehr konventionell, aber nicht im Sinne von langweilig. Eher im Sinne von solide. Mir ist dies persönlich lieber als irgendwelche konstruierten Storys mit x-tausenden Wendungen und null Glaubwürdigkeit. Gleiches gilt für die Darstellung der Charaktere. Hier liefern alle insgesamt sehr gute Schauspielerleistungen ab und das in teilweise wirklich starken Einstellungen.

"Kidnapped" ist eben ein reiner Erwachsenenfilm mit gewissen Bezügen zur Realität, da darf man nicht ins Taschentuch heulen, wenn der ein oder andere böse Junge eben keinen spontanen Läuterungsprozess durchmacht oder jedes mal vor dem Töten noch von irgendwo ein Messer in den Rücken bekommt. Dazu der hämmernde Soundtrack, der sich passend zur Szenerie in den Kopf bohrt.

Die Spanier haben es eben einfach drauf, gute Filme zu machen und dabei sind die Produktionen der letzten Jahre besonders hervorzuheben. Der Streifen hier jedenfalls hinterlässt am Ende einen so derben Schlag in die Magengrube, dass man nach dem Film besser die Fenster und Haustür fest und sicher verschließt. Großartig!

8/10

Die ungeschnittene SPIO/JK-Fassung kann man wieder mal nur sehr schwer in Deutschland bekommen, aber dennoch problemlos über den österreichischen Handel erwerben. Dafür hat NSM aber dort auch ein schickes Mediabook zum Film herausgebracht...