Montag, 12. August 2013

Kick-Ass (2010)

http://www.imdb.com/title/tt1250777/

Irgendwann 2010 sah ich einen Trailer zu einem Film namens "Kick-Ass". Und der Trailer war... komisch. Ein kleines Mädchen und ein Typ als Superhelden verkleidet...? 'Das geht in die Hose', so dachte ich und ließ den Kinobesuch aus. Dann las ich eine Kritik nach der anderen, die den Film beinahe über alle Maßen in den Himmel lobten und ich kaufte mir "auf gut Glück" die Scheibe - sogar im limitierten Steelbook....

Fast unsichtbar in der Schule und mit einem Haufen Comics im Schrank ist Dave Lizewski (Aaron Taylor-Johnson) ein völlig durchschnittlicher Teenager – zumindest bis er die Entscheidung fällt, ein Superheld zu werden. Er schlüpft in ein grün-gelbes Ganzkörperkostüm, setzt sich eine Maske mit Schlitzen für Augen und Mund auf, schnappt sich zwei Bleirohrkampfknüppel und zieht als ‘Kick-Ass’ in den Kampf gegen das Böse. Das einzige Problem dabei ist allerdings, dass er auf seinen nächtlichen Patrouillen nicht mal ein winziges Fünkchen Superkraft zu bieten hat und sich vor Schurken in Acht nehmen muss, die etwas mehr Power aufweisen. Doch dann gelingt ihm tatsächlich sein erster großer Kampf und so wird er zum MySpace-Helden. Ebenfalls maskiert, aber schon länger mit todbringendem Ernst im Geschäft sind zwei andere selbst ernannte Rächer, auf die Kick-Ass bald trifft: eine unaufhaltsame 11-Jährige, die ihr rasiermesserscharfes Doppelschwert als Hit Girl (Chloë Grace Moretz) schwingt, sowie ihr panzerbrechender Vater (Nicolas Cage), der erbarmungslos als Big Daddy zupackt. Dazu gesellt sich mit Red Mist noch ein weiterer Superheldennachahmer. Diese eigenwillige und durchaus energische Allianz bekommt es aber schnell auch mit mächtigen Feinden zu tun und wird durch die heimtückischen Machenschaften von Gangsterboss Frank D’Amico (Mark Strong) auf eine tödliche Probe gestellt.

Was für ein genialer Film. Es macht wahnsinnig Spaß mit anzusehen, wie Regisseur Matthew Vaughn mit jeder Erwartung des Zuschauers bricht und dem Superheldengenre tatsächlich etwas Neuartiges abgewinnt, indem er seine kleine Coming-Of-Age Stilblüte sehr sauber in die heutige YouTube Generation einarbeitet. Hier sind es im wahrsten Sinne des Wortes Antihelden, die sich durch Dreck und Blut kriechen um sich - erst am Ende - den Heldentitel auch verdient zu haben. Nicht nur die Erzählstruktur, nein, auch die Darsteller, die Choreografie, die Musik, der Humor - hier passt alles wie die Faust aufs Auge - und ist zudem so realistisch wie nur möglich erzählt. Der Humor ist teils so derb und böse, dass es eine wahre Freude ist - und wenn Hit-Girl loslegt, dann frage ich mich so amnches Mal ernsthaft, warum der Film "nur" eine 16er Freigabe erhalten hat, denn einige Szene sind äusserst graphisch und überlassen nichts der Phantasie. Dazu rockt der Soundtrack passend mit The Prodigy, Primal Scream, Ellie Goulding und sogar Ennio Morricone, dessen "Per Qualche Dollaro In Piu" ("Für ein paar Dollar mehr") gerade richtig kommt, als Hit-Girl aufräumt. Überhaupt kann man kaum ein negatives Argument finden, außer vielleicht die Liebesgeschichte. Aber die gehört auch wieder zum Kontext und ist so gesehen auch nicht schlimm... ach. So ist "Kick-Ass" eine Achterbahnfahrt, quasi ein "Watchmen" in niedlich. Genial.

Ich freue mich regelrecht auf "Kick-Ass 2", der in der nächsten Woche bei uns anläuft. Dieses Mal lasse ich den Kinobesuch nicht aus.

9/10

Zum ersten Teil gibt es ein limitiertes Steelbook, das mittlerweile wieder neu aufgelegt und nachproduziert wird. Die Erstauflage erkennt man allerdings am glänzenden Finish.