Samstag, 27. Juli 2013

Philadelphia (1993)

http://www.imdb.com/title/tt0107818/

Philadelphia zu Beginn der 1990er Jahre: Der erfolgreiche Jung-Anwalt Andrew Beckett (Tom Hanks) steht kurz vor der Beförderung zum Partner in einer der größten Anwaltskanzleien der Stadt. So selbstbewusst er auch im Job auftreten mag, sein Privatleben hält er wohlweislich in dem konservativen Unternehmen unter Verschluss. Denn Beckett ist homosexuell. Und nicht nur das: Er ist an AIDS erkrankt. Als er unter fadenscheinigen Gründen (er soll wichtige Unterlagen für einen großen Fall verlegt haben) fristlos entlassen wird, versucht Beckett das Unmögliche: Er will seine Firma wegen Diskriminierung verklagen. Doch die Suche nach einem Anwalt, der ihn vor Gericht vertritt, gestaltet sich schwieriger als gedacht. Überall begegnet man ihm mit Vorbehalten bis offener Abneigung wegen seiner Auto-Immun-Schwäche, die (noch) als “Schwulen-Krankheit” verschrien ist. Auch Joe Miller (Denzel Washington) lehnt den Fall zunächst ab, nicht nur wegen der geringen Aussicht auf Erfolg, sondern wegen seiner Mysophobie, seiner offenen Angst vor Ansteckung. Schließlich lässt er sich doch überzeugen.Es beginnt ein Kampf von David gegen Goliath, gegen irrationale Vorurteile – und vor allem gegen die Zeit, die Beckett unmissverständlich und zusehends davonläuft...

1993 entsteht mit Jonathan Demmes Film "Philadelphia" nicht einfach nur das Portrait eines gesellschaftlichen Außenseiters, der mit seiner Krankheit und dem Umgang der Menschen mit eben jener zu kämpfen hat. Nein, viel mehr noch ist Philadelphia Portrait einer ganzen Gesellschaft, die von dem Film den Spiegel vorgehalten bekommt, ruhig und beherrscht auf ihre Unarten hingewiesen wird und dabei doch völlig Eindeutig eine genauso simple wie auch wertvolle Botschaft vermittelt bekommt. Eine Botschaft, die auch heute noch lange nicht bei allen angekommen ist, auch wenn wir Fortschritte machen.

Eingeleitet von Bruce Springsteens bis heute unvergessenem Titel "Streets Of Philadelphia" und abgeschlossen mit Neil Youngs fast mindestens genauso wunderbaren Song, welcher ebenfalls den Namen besagter Amerikanischer Großstadt trägt, werden wir in diesem Film Zeuge von so Vielem. Wir sehen das für die meisten wohl unvorstellbare Leiden einer furchtbaren Krankheit, sowohl körperlich als auch seelisch. Wir erleben das langsame, schreckliche und vor allem unaufhaltsame Dahinsiechen eines Menschen und wie dieser und dessen Freunde und Familie damit fertig werden müssen. Uns werden die Vorurteile und Ausgrenzungen einer Gesellschaft gezeigt und gleichzeitig auch ein kleiner Schritt dieser hin zur Toleranz und dem Verständnis. Wir werden konfrontiert mit einem Rechtssystem, welches sich eingestehen muss, dass der Traum der völligen Gleichheit vor den Augen der Justitia eben nur ein Traum bleibt und welches gleichzeitig am Mut zweier Männer wächst, die bereit sind, für Gerechtigkeit einzustehen, welcher Widerstand da auch immer kommen möge.

Man sieht das brillante und hingebungsvolle Schauspiel dreier großartiger Darsteller und schließlich einen Tom Hanks, der sich bei der Entgegennahme des redlich verdienten Oscars dem sturen Amerikanischen Volk entgegenstellt und beinahe unter Tränen und sichtlich voller Stolz verkündet, dass er mit Leib und Seele hinter dem Film und seiner Botschaft steht. Man lauscht gebannt und voller Emotionen großartiger Musik, zum Teil eigens für dieses filmische Werk geschrieben, von wahren Größen unserer Musikwelt. Dem Zuschauer offenbart sich das gesamte Spektrum der menschlichen Gefühlswelt, von tiefer Trauer bis hin zu wahrer Nächstenliebe. Man sieht in "Philadelphia" so vieles, doch vor allem bleibt der Film ein ebenso schöner wie auch trauriger Appell an unser aller Menschlichkeit, der mit Nachdruck Toleranz, Liebe und auch Mitgefühl einfordert. Und das nicht nur für eine Randgruppe, nein, für jeden von uns.

Film kann so vieles sein. Er vermag zu unterhalten, mitfühlend und dramatisch zu sein. Er ist emotional, witzig, zum Nachdenken anregend, gesellschaftskritisch oder auch politisch. Ein Film kann tiefe Trauer und die schönsten Gefilde unseres Denkens Arm in Arm gehen lassen und trotzdem oder gerade deswegen eine völlig realistische Darstellung von etwas sein. "Philadelphia" ist alles davon und schafft es, all das Genannte auf wundersame Art und Weise unter einen Hut zu bringen. Grandios.

9/10