Dienstag, 16. Juli 2013

Lord Of War (2005)

http://www.imdb.com/title/tt0399295/

Was für ein genialer satirischer Film! Was für ein bissiger Sarkasmus, welch Zynismus, was für Ironie! Was für ein beeindruckendes Schauspiel, welche großartige Worte und Wortspiele, was für ein Setting! Hier passt beinahe alles. Grandios!

"Es befinden sich weltweit über 550 Millionen Schusswaffen in Umlauf. Das heißt auf diesem Planeten hat jeder 12. Mensch eine Schusswaffe. Das führt zu der einen Frage: Wie bewaffnet man die anderen 11?"

Der Handel mit Waffen ist ein dreckiges aber lukratives Geschäft. Und Yuri Orlov (Nicolas Cage) ist darin der Beste. Nach bescheidenen Anfängen in New Yorks Stadtteil Little Odessa steigt er gemeinsam mit seinem Bruder Vitali (Jared Leto) nach dem Fall des Eisernen Vorhangs zum mächtigsten Waffenschieber der Welt auf. Unmenschliche Diktatoren und legitime Staatsoberhäupter – Yuri versorgt sie alle. Partei ergreift er nicht, so lange die Kasse stimmt. Da heftet sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere der Interpol-Agent Jack Valentine (Ethan Hawke) an seine Fersen und Ehefrau Ava (Bridget Moynahan) stellt ihn vor ein Ultimatum. Yuri will sich für die Familie entscheiden, doch seine Kunden sind ihm unangenehm treu...

"Das Böse siegt, wenn das Gute tatenlos zusieht. Es sollte besser heißen: Das Böse siegt immer!"

Allein das Intro, untermalt vom Song "For What It's Worth" von Buffalo Springfield... krass! Dieser Film ist so voller Zitate, gebündelter "WTF?!"-Szenen und so voller erschreckender Wahrheiten, dass man sich wünschen würde, es wäre nicht so. Dabei bildet der Film - in einem überspitzten Rahmen - eigentlich nur das wahre Bildnis der Realität ab. Die politische Kernthematik von "Lord Of War" ist dabei natürlich kaum zu übersehen und setzt immer wieder zu neuen Schlägen gegen den amerikanischen Waffenhandel an, welcher seine Finger über die gesamte Welt ausstreckt. Allerdings weiß Regisseur Andrew Niccol nicht nur bei diesem kritischen brisantem Thema zu punkten, sondern auch der hohe Unterhaltungswert ist durchgehend geboten und die unheimliche Gratwanderung gelungt hervorragend. Denn der Film wirkt niemals belehrend, eher informierend, ohne mit dem Finger auf die wahren Schuldigen zu deuten. Die Lacher gehen dabei vor allem auf das Konto der wunderbar zynischen Off-Kommentare von Nicolas Cage (dem die Rolle passt wie ein maßgeschneiderter Anzug), die immer wieder den Nagel auf den Kopf treffen. Und dabei zeigt der Film doch die grenzenlose Abartigkeit des krieges und der Kriegstreiber und zeigt im Grunde nur, dass die Waffenhändler nur die Spitze des Eisberges sind. Die stimmige Musik tut ihr übriges zu der so schon nahezu perfekten Inszenierung - die einen schon während des Films sehr zum nachdenken anregt. Auf jeden Fall einer der Top-Filme, die man gesehen haben sollte, auch wenn am Ende ein bitterer Nachgeschmack bleibt.

"Ich werden Ihnen sagen, was passieren wird - damit Sie sich darauf vorbereiten können. In Kürze klopft jemand an die Tür und Sie werden nach draußen gerufen. Dort wird ein Mann stehen, der einen höheren Rang hat, als Sie. Zuerst gratuliert er Ihnen zu der guten Arbeit, die Sie geleistet haben, dass Sie die Welt sicherer gemacht haben und das Sie eine Belobigung und eine Beförderung erhalten werden. Und dann sagt er Ihnen, dass Sie mich freilassen sollen. Sie werden protestieren, vielleicht sogar mit Ihrer Kündigung drohen, doch am Ende werde ich freigelassen. Der Grund, warum ich freigelassen werde, ist derselbe, warum ich Ihrer Meinung nach verurteilt werden sollte. Ich bin per "Du" mit einigen der widerwärtigsten, sadistischsten Männer, die ich heutzutage Anführer nennen. Aber einige dieser Männer sind die Feinde Ihrer Feinde. Und weil der größte Waffenhändler dieser Welt Ihr Boss ist - der Präsident der Vereinigten Staaten, der mehr Material an einem Tag verschifft, als ich in einem Jahr - ist es manchmal peinlich, dass seine Fingerabdrücke auf den Waffen sind. Manchmal ist er auf freie Mitarbeiter wie mich angewiesen, um die Mächte zu beliefern, die er offiziell nicht beliefern kann. Daher können Sie mich das Übel nennen, aber unglücklicherweise bin ich ein notwendiges Übel."

9/10