Donnerstag, 18. Juli 2013

Brüno (2009)

http://www.imdb.com/title/tt0889583/

Mit seinem homosexuellen Bruno - teils Model, teils Reporter des Österreichischen Jungenrundfunks (OJRF) - schickt Comedy-Superstar Sacha Baron Cohen eine seiner ersten Schöpfungen auf einen internationalen Parcours der Provokation. Wie Borat und Ali G ist auch Bruno ein erprobter Held in Cohens Repertoire und hat mit seiner freizügigen Art schon so manchen Puritaner oder Modeschöpfer in die Verzweiflung getrieben. Für sein erstes Kinoabenteuer lädt er beispielsweise im konservativen Arkansas zum "Cage Fight" mit heißen Girls ein und schockierte dann die einigermaßen homophoben Gäste mit knutschenden Muskelmännern im Käfig. Er mischte sich in Mailand mit einem Haufen alter Kleider am Leib unter die Models und stolzierte über den Laufsteg einer exklusiven Modenschau, er versuchte sich in Los Angeles hartnäckig an einem Interview über Schwulenrechte mit Arnold Schwarzenegger und er holte sich in einem angesagten Berliner Club als geschmacksverirrter DJ eine ordentliche Packung Buhrufe ab...

Nach "Ali G" und "Borat" schickt der britische Starkomiker Sacha Baron Cohen nun den nächsten Unruhestifter in den Ring - in Netzhemd und Hotpants. Brüno - teils Model, teils Celebrity-Reporter und vollständig schwul - macht sich aus Österreich auf, die Vereinigten Staaten und damit auch die Welt zu erobern. Auf seiner internationalen Tour der Provokationen schreckt Brüno vor nichts und niemandem zurück, um sich ins Rampenlicht zu drängeln. Ob mit einem Guerilla-Auftritt im Klettkostüm bei einer Modenschau in Mailand, ob mit kruden Auftritten und Reality-Reportagen oder eben mit seinem schwarzen Adoptivbaby, das man als angesagter Star einfach dabeihaben muss. Mit hartgesottener Arglosigkeit sucht Brüno ungeniert nach Spaß und sorgt für Aufruhr, wo auch immer er hinkommt. Er lässt Moralapostel auflaufen, entblößt die Absurditäten der Fashionistas, ärgert selbsternannte Sittenwächter bis aufs Blut und tritt ignoranten Dummköpfen mit unanständiger Wucht vors Schienbein - ein schlüpfriger Narr in der Welt des schönen Scheins. Schamlos und unverschämt witzig.

Der neue Film von Sacha Baron Cohen macht sich über den grenzenlosen Promiwahn lustig. Er überschreitet bewusst Grenzen und alles, was auch nur ansatzweise wie guter Geschmack aussehen könnte, auf seiner Mission soviel kulturelles Chaos wie nur möglich zu schaffen. In halb-dokumentarisch, halb-filmischen Stil führt er die strunzdummen Protagonisten der Glitzerwelt ebenso vor wie die humorlosen Wächter der politischen Korrektheit - und das so provokant und lustig wie möglich. Allein die Szene in der Selbstversteidigung gegen Homosexuelle "unterrichtet" wird spricht Bände. Aber das beste, das wirklich größte ist Brünos Auftritt als (mittlerweile) heterosexueller Moderator einer Wrestling-Show, der während der Show (zum Glück!) geschützt in einem Käfig seinen Assistenten Lutz zum "MyHeart Will Go On"von Celine Dion verführt. Es ist der perfekte Moment, wenn das militant-heterosexuelle Publikum begreift, wem sie da eigentlich zugejubelt haben. Und auch wenn der Humor so manchmal zum Schreien komisch und dann auch wieder inhaltslos ist, so ist auch der Schockfaktor ebenso unbezweifelbar. Genial!

7,5/10