Samstag, 29. Juni 2013

Trainspotting (1996)

http://www.imdb.com/title/tt0117951/

Thomas gab mir Anlass mal wieder Trainspotting zu sehen. Und nachdem diese Sichtung auch die zehnte oder zwölfte sein müsste - der Film amüsiert, schockt, fasziniert und unterhält mich immer noch aufs Feinste. Regisseur Danny Boyle zieht den Zuschauer mit "Trainspotting" in den ekligen, versifften Drogensumpf von Edinburghs unterster Unterschicht.

"Sag ja zum Leben, sag ja zum Job, sag ja zur Karriere, sag ja zur Familie. Sag ja zu einem pervers großen Fernseher. Sag ja zu Waschmaschinen, Autos, CD-Playern und elektrischen Dosenöffnern. Sag ja zur Gesundheit, niedrigem Cholesterinspiegel und Zahnzusatzversicherung. Sag ja zur Bausparkasse, sag ja zur ersten Eigentumswohnung, sag ja zu den richtigen Freunden. Sag ja zur Freizeitkleidung mit passenden Koffern, sag ja zum dreiteiligen Anzug auf Ratenzahlung in hunderten von Scheiß-Stoffen. Sag ja zu Do-it-yourself und dazu, auf Deiner Couch zu hocken und Dir hirnlähmende Gameshows reinzuziehen, und Dich dabei mit Scheiß Junk-Frass vollzustopfen. Sag ja dazu, am Schluss vor Dich hinzuverwesen, Dich in einer elenden Bruchbude vollzupissen und den missratenen Ego-Ratten von Kindern, die Du gezeugt hast, damit sie Dich ersetzen, nur noch peinlich zu sein. Sag ja zur Zukunft, sag ja zum Leben. Aber warum sollte ich das machen? Ich habe zum ja sagen nein gesagt. Die Gründe? Es gibt keine Gründe. Wer braucht Gründe, wenn man Heroin hat?

Mark (Ewan McGregor) ist ein Junkie. Sein Revier ist ein trister Teil Edinburghs, und sein grauer Alltag dreht sich von morgens bis abends um den nächsten Schuss. Irgendwann, so glaubt er, wird er einmal davon loskommen, aber mit kaputten Freunden wie Sick Boy (Jonny Lee Miller), Spud (Ewen Bremner) und Begbie (Robert Carlyle) ist daran gar nicht zu denken. Was immer er versucht, er scheitert kläglich, bis sich eines Tages die Chance seines Lebens bietet - in Form von zwei Kilo seines Lieblingspulvers allerfeinster Qualität.

"Trainspotting" ist ein harter Ausflug in die Welt der Drogen, welcher seinesgleichen sucht. Nicht so verspielt und abgedreht wie "Fear And Loathing In Las Vegas", nicht so krass pessimistisch wie "Requiem For A Dream", sondern ein Mix irgendwo dazwischen. Eben eine gelungene Mischung aus Ekel, Humor, Schock, Junkieleben und Beziehungen. Ja, "Trainspotting" ist ein Anti-Drogen-Film, der einen in eine Lage versetzt, in der man nicht immer genau weiss, was man gerade tun soll. - Lachen? Weinen? Die Augen verschließen? Sich ekeln? Man wird hin- und hergeworfen. Dabei ist Technik des Films unübetroffen, die Darsteller genial, die Musikeinlagen perfekt ausgesucht und eingebaut, allein schon der Anfang mit Iggy Pops "Lust For Life", beim späteren Discobesuch Sleeper mit "Atomic" - und nicht zuletzt der grandiose Abschluss mit Underworlds "Born Slippy".

"Wir nahmen Morphin, Diamorphin, Cyklizin, Codein, Temazepam, Nitrazepam, Phenobarbital, Amylnitrit, Dextropropoxyphen, Methadon, Nalbuphin, Pethidin, Pentazocin, Buprenorphin, Dextromoramid, Clomethiazol."

Was man letztendlich miterlebt, ist irgendwie auch ein knapp 90-minütiger Trip. "Trainspotting" ist ein Film, den jeder in seinem Leben mindestens einmal gesehen haben sollte, denn realistischer hätte die Problematik des Drogenkonsums nicht dargestellt werden können. Die Leistung von Ewan McGregor ist phantastisch: jede Sekunde lässt er einen hautnah an seinem Leben teilhaben. Man spürt seine Qualen, man freut sich mit ihm und man fühlt sich als Teil seiner Clique. Ein krasser Film, den man am allerbesten mit einem aus dem Film stammenden Zitat zusammenfasst: "Nimm den besten Orgasmus den du je hattest, multiplizier ihn mit 1.000 und du bist noch nicht mal nah dran!"

9/10