Dienstag, 4. Juni 2013

Once Upon A Time In America - Es war einmal in Amerika (1984)

http://www.imdb.com/title/tt0087843/

Mit "Es war einmal in Amerika" kommt nun der Abschluß der Amerika-Trilogie (Dazu zählen, obgleich es keine inhaltlichen Bezüge zueinander gibt "Spiel mir das Lied vom Tod" (1969), "Todesmelodie" (1971) und "Es war einmal in Amerika" (1984)) von Sergio Leone, fabelhaft besetzt mit Robert DeNiro und trotz seiner abschreckenden Laufzeit von fast 4 Stunden ein Meisterwerk, das - natürlich - seine Längen hat, aber dafür auch mehr als entschädigt.

"Ich habe dir alles genommen, dein Geld, dein Mädchen. 35 Jahre hast du getrauert um deinen Freund."

Inhalt: Die Rahmenhandlung ist schnell erzählt. New York, Brooklyn. Anfang der zwanziger Jahre. Ein paar vernachlässigte Jugendliche in einem jüdischen Einwandererviertel finden sich in einer Straßengang zusammen. Es ist Amerika, es herrscht die Prohibition und Möglichkeiten auf die schiefe Bahn zu geraten, gibt es genug. Max, Noodles und ihre Freunde verdienen sich bereits als Kinder mit Erpressungen und Schmuggeleien den einen oder anderen Dollar dazu. Jahre später – Noodles wird nach einer langen Haftstrafe für einen Mord aus dem Gefängnis entlassen – haben es die Freunde von damals unter Max zu einem skrupellosen Gangstersyndikat gebracht. Doch Ehrgeiz und Habgier zerstören die jahrzehntelange Freundschaft und schließlich kommt es zu einem entsetzlichen Verrat...

Ich hab dieses Meisterwerk jetzt schon viel zu lange vor mir hergeschoben und wollte den Streifen eigentlich schon längst einmal wieder gesehen haben. Es ist ein Film über die Mafia, doch an den "Paten" wird er wohl nie herankommen. Was die Geschichte und ihre Erzählstruktur angeht, kann ich auch nur in den höchsten Tönen sprechen, denn ich liebe solche bis ins Extreme ausufernden Geschichten, die sich über Jahrzehnte hinwegziehen mit einem halben Dutzend Figuren, deren Beziehung sich zueinander bis zum Schluss enorm entwickelt. Und das hat man hier, eine Geschichte über Freundschaft, mit einer Gruppe von Jungs die im New York der zwanziger Jahre schon mal ein paar kleine Abzockereien durchziehen aber den Traum haben, ihr eigenes großes Mafiageschäft aufzuziehen. Das erzählt Regisseur Sergio Leone hier mit einer sehr intensiven Grundstimmung, die in ihrer Gesamtwirkung, trotz eines ruhigen Erzähltempos, auf das ich später noch eigehen möchte, schwer beeindruckt. Dazu kommt eine geniale Erzählweise für den Spannungsaufbau, so ist die Geschichte um Noodles und seine Gangsterfreunde nicht chronologisch erzählt, sondern springt von den 20ern in die 60er oder in die Blütezeit des Gangstergeschäftes der Freunde, die dreißiger Jahre. Wegen dieser Zeitsprünge entsteht hier eine ziemliche Spannung, man sieht wie sich die Beziehung der Freunde entwickelt, zu was das führt und das erst nach und nach aus diesen Kindern dekadente Konkurrenten wurden. Dieser Erzählstil ist grandios!

Von Anfang an beeindruckt einen Leone durch die Bildgewalt seines Films, durch herausragende Darsteller in Bestform und eine geniale Musikuntermalung von Ennio Morricone, der schon in zahllosen Western für die nötige Stimmung sorgte. Dazu kommen tolle und vor allem passende Bilder, noch bessere Darsteller, die bereits angesprochene verschachtelte Erzählweise und machen "Es war einmal in Amerika" zu einem brillanten Werk. Man muss vor den Machern wirklich den Hut ziehen, denn hier den Überblick zu behalten und doch alles bis ins Detail so perfekt so hinzubekommen, das ist schon eine Leistung. Aber genau da liegt auch das Problem: es ist nicht nur die reine Länge, sondern auch die epische, teilweise etwas überdramatisierte Erzählweise, die gewaltig Konzentration fordert. Aus dem Film hätte man locker eine Trilogie machen können. Ein höheres Tempo, oder eine straffere Inszenierung, auch wenn jede Szene von Bedeutung ist und in den Film gehört, hätten den Film insgesamt etwas knackiger gestalten können. Aber es gab auch immer wieder Stellen, in denen einen der Film in die Geschichte hinein zieht und man wie gebannt da sitzt und einfach nur zusieht, hört und ins Grübeln gerät. Szenen wie das Finale in Baleys Büro haben natürlich diesen epischen Anspruch verdient, brauchen ihn an diesen Stellen sogar und da funktioniert er auch wunderbar und treibt sogar den Puls ein wenig höher. Aber wenn man das Sitzfleisch und die nötige Langzeitkonzentration hat, dann erwartet einen hier großes Kino, eine gewaltige Geschichte um Freundschaft, Verrat, Gewalt, Korruption, Gier, Macht und Einsamkeit. So schafft es der Streifen mühelos im Gedächtnis bleiben und er ist ohne Zweifel einer der großer Klassiker der Filmgeschichte!

9/10