Samstag, 1. Juni 2013

Funny Games (1997)

http://www.imdb.com/title/tt0119167/

Was war denn das? Wann habe ich das letzte Mal einen so kranken Film gesehen? Allein schon der Titel "Funny Games" sagt einiges aus, denn lustig ist hier rein gar nichts und meiner Meinung nach ein Seitenhieb in Richtung derer, die sich bei Psychospielchen und Gewaltszenen in Filmen gut unterhalten fühlen. Dabei sind die Täter hier nicht irgendwelche gesichtslose Axtschwingende Wahnsinnige, sondern wortgewandte und überaus höfliche Typen, die die psychische Erniedrigung perfekt beherschen - und genau das ist es, was das Ganze auch noch so zynisch macht. Die Dialoge sind so banal wie alltäglich, und genau das macht den Film so erschreckend realistisch. Mehrfach wird man als Zuschauer mit einbezogen, gefragt ob weitergemacht werden soll, auf wen man wettet. Dadurch fühlt man sich direkt ertappt, dem Ganzen womöglich zugestimmt zu haben. Bei Kinderspielen und Abzählreimen wird hier über Leben und Tod entschieden. Und wenn man mitgezählt hat, weiß man wen der ohrenbetäubende Schuß getroffen hat, lange bevor es bildlich offenbart wird.

"Funny Games" spielt unglaublich mit der Erwartungshaltung des Zuschauers. Die Jungs erinnern an eine organisierte Bande von Taschendieben, Polizei oder gerissene Vertreter, eigentlich richtig eklig so auf die Psycho Tour "kommen Sie, wir haben doch gar nichts gemacht, so lassen Sie sich doch helfen" - während sie wirklich nichts gemacht haben aber es deutlich spüren lassen und unterschwellig unbemerkt halt doch jede Menge machen. Andererseits wirkt es aufgrund der überspitzen zynischen Eloquenz und Höflichkeit sympathisch, fast schon charmant. Vielleicht auch unter anderem, weil sie vom reinen Erscheinungsbild eher das Gegenteil sind, mehr wie unschuldige kleine Kinder die Streiche spielen wollen. Einer ist ganz attraktiv und engagiert, der andere dick und trottlig, sie streiten sich untereinander betont fake inszeniert, ziehen eine fast schon routinemäßige Show für ihre Opfer und zu ihrem eigenen Vergnügen ab. Sie sind optisch oft an "Uhrwerk Orange" angelehnt. Das ist das Faszinierende, fast einzigartige an dem Film: der Zuschauer wird mit vielen realistischen Feinheiten verwirrt, kombiniert mit einer Art Faszination für diese Fähigkeiten.

Realistisch betrachtet, und es ist ja ein Kompliment so eine Art Film auch ernst nehmen zu können, ist es sehr grausam, demütigend, finster, ein Szenario das man niemandem wünscht. So spitzt es sich immer dramatischer zu, wird immer sichtbarer und verstörender. Irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem man sich als Zuschauer regelrecht darauf freut, dass endlich mal die Bösen in die Mangel genommen werden und hier kommt eine sehr zwiespältige Szene für mich. Einerseits bekommt man diese Szene schön grafisch serviert, aber dieser klitzekleine Anflug von Schadenfreude wird gleich wieder knallhart zunichte gemacht. Gerade durch Szenen, die sich nur im Kopf abspielen und das die psychische Erniedrigung der Opfer für den Zuschauer schmerzlich fühlbar gemacht wird macht diesen Film so erschreckend fragwürdig. Aber vielleicht ist er gerade deswegen so interessant. Ich jedenfalls habe mich 108 Minuten lang kaum gerührt und konnte einfach nicht wegsehen.

7,5/10

Exklusiv von METEOR|FILM kommt der Film ineinem extrem schicken, weil wattiertem Mediabook, welches den Film auf BD und DVD enthält und zudem noch die DVD des US-Remakes. Meins hat die Nummer 308/1000: