Samstag, 1. Juni 2013

Chained (2012)

http://www.imdb.com/title/tt1989475/

Nach einem Kinobesuch verschleppt ein Taxifahrer den kleinen Tim und seine Mutter in sein abgelegenes Haus. Dort muss Tim mit ansehen, wie seine Mutter kaltblütig abgeschlachtet wird. Den Jungen verschont der Killer und kürt ihn zum Komplizen bei der Verwirklichung seiner perversen Rachephantasien. Für Tim folgen dunkle Jahre voller Angst und Gewalt an der Seite seines "Mentors". Angekettet in dem trostlosen Haus erlebt er, dass der Psychopath dann und wann eine neue Besucherin mitbringt, und jedes Mal muss er kurz darauf deren blutige Überreste im Keller vergraben.

Jennifer Lynch hat es schon nicht leicht. Schließlich ist ihr Vater David Lynch einer der einzigartigsten Filmemachern unserer Zeit. Mit hrem Filmdebüt "Surveillance" hatte sie aber schon vor gut 4 Jahren meine Aufmerksamkeit gewonnen, war dies doch ein sehr verspulter und gleichzeitig krasser Film. Mit "Chained" habe ich nun hier den wohl kontroversesten Film des letzten Jahres gesehen, hatte dieser Streifen es doch schon im Vorfeld nicht leicht. In Amerika wurde er mit dem kommerziell tödlichen NC-17-Rating abgestraft, Grund hierfür waren zwei Einstellungen eines grafisch sehr expliziten Kehlenschnitts. Umso erfreulicher war es dann, als der Film in Deutschland ungeschnitten eine FSK-18-Freigabe bekam.

"Chained" beginnt so schon extrem unbehaglich und wirft den Zuschauer sofort in seine schauderhafte Geschichte. Schon die ersten Minuten machen einen beim Zusehen nervös und es wird einem mulmig. Das extrem brutale und böse Szenario lässt nie auch nur den geringsten Spielraum für Hoffnung. Frau Lynch will keinen Horrorfilm von der Stange machen, sondern einen knallharten Psycho-Thriller, dessen Grundidee wahrlich weh tut. Die Atmosphäre ist bedrückend, die Bilder trist. Ihren Teil tragen dazu Vincent D'Onofrio (Pvt. Leonard 'Gomer Pyle' Lawrence aus "Full Metal Jacket") in der Rolle des Psychopathen Bob und Eamon Farron als Rabbit bei, die beide perfekt auf ihre Figuren passen und sie dementsprechend auch so gut spielen. "Chained" ist harter Stoff, der zwar nur wenige, explizite Szenen enthält, aber derartig grausam wirkt, dass es beinahe ein Wunder ist, dass dieser Film nicht durch die Prüfung fiel.

Einziges Manko ist die schwache Charakterzeichnung des Killers. Diese wirkt arg klischeelastig und daher etwas zu "gewöhnlich". Da werden die klassischen Zutaten eines psychisch gestörten Serienmörders zusammengerührt und genau das will mir nicht so recht passen - zumindest nicht für einen Jennifer Lynch-Film. Generell ist hier wenig überraschend und nicht alles vollkommen logisch und nachvollziehbar. Bis auf das Ende, was einem noch einmal richtig in die Magengrube schlägt. Auch der Abspann hat etwas ganz besonderes, denn hier hört man keine Musik. Nur Geräusche. Ein genialer Film.

8/10

Von CAPELIGHT PICTURES kommt der Film in einem schicken Steelbook: