Mittwoch, 22. Mai 2013

Watchmen (2009)

http://www.imdb.com/title/tt0409459/

"Who Watches The Watchmen?" - Heute habe ich "Watchmen" bestimmt zum zehnten oder gar elften Mal geschaut und mich wieder keine Minute gelangweilt, obwohl ich den Streifen mittlerweile fast auswendig mitsprechen kann. Als ich den Film 2009 im Kino sah, war ich so überwältigt und fasziniert, dass ich völlig geflasht nach Hause gefahren bin. Es ist erstaunlich, wie detailgetreu Regisseur Zack Snyder diesen Film inszeniert hat. Bis auf sehr wenige Passagen und Dialoge hält sich der Film sehr dicht an die Buchvorlage von Alan Moore. Durch die grandiose Optik, die klasse schauspielerische Leistung jedes einzelnen Darstellers, allen voran Jackie Earle Haley ("Rorschach"), der Score, die Musik und den düsteren Stil kann man sich sehr gut in die Handlung vertiefen. Dadurch ist die Verfilmung - wenn man den Foren glauben darf - nicht weniger unterhaltsam als das Comic selbst.

Die vielen philosophisch-moralischen Aspekte dieser ziemlich düsteren und politischen Handlung einer alternativ-fiktiven vergangenen Version der USA, sorgen nicht zuletzt dank der hervorragenden Dialoge für den perfekten Filmgenuss. Der Film beginnt schon mit einem Paukenschlag: der Comedian wird getötet und bildet somit eine gelungene Einführung in die düstere Handlung und entfacht schon damit ein spannendes Feuer, das einen nicht mehr loslässt. Vor diesem Mord, ist im Fernsehen eine Talkshow über den vermutlich anstehenden Atomkrieg zwischen Amerika und Russland zu sehen. Wer ist dieser Unbekannte und was ist sein Motiv? Kann der Atomkrieg verhindert werden? Der Anti-Held Rorschach geht dem mysteriösen Tod des Comedians nach und lässt den Zuseher beinahe beiläufig seine finsteren Zitate hören. Ich habe selten Filme gesehen, bei dem so zynische und doch faszinierend Zitate vorkommen wie bei diesem. "Watchmen" wird von da an mit jeder Minute spannender.

Die Charakterzeichnung ist absolut brillant. Snyder räumt den gebrochenen Charakteren sehr viel Zeit zur Vorstellung und Entwicklung ein. Diese untypischen Superhelden sind nicht wie die Helden die wir sonst so kennen, im Gegenteil. Sie handeln brutal und unmoralisch. Ein wichtiger Unterschied zu den meisten anderen Comics ist somit vor allem das gnadenlose Verhalten der Helden, sowie ihre problembelastete Vergangenheit. Jeder von ihnen hat ihre eigenen Probleme, Ziele und Komplexe. Die Protagonisten sind ausgezeichnet beschrieben und haben eine unterschiedliche Auffassung von Moral, womit sich ihre Vorgehensweise auch von Charakter zu Charater unterscheidet, wodurch wiederum eine tolle Abwechslung entsteht. Die Brutalität in diesem Film lässt sich dabei nicht von der Hand weisen: diese ist weit weg von den üblichen Superhelden-Hau-Drauf-Orgien, sondern geht schroff und überaus blutig zur Sache.

Trotz seiner langen Laufzeit von fast 3 Stunden ist "Watchmen" zu keiner Minute langweilig, denn diese Länge ist wichtig, man lernt zu verstehen und deckt nach und nach die Vergangheit der Individuen auf. Erst gegen Ende werden dann all die Fragen geklärt und die Vorgehensweise bestimmter Helden verstanden. Und das ist teils sehr überraschend und unvorhersehbar. Ein Geschenk, welches man sehr selten in einer Comicverfilmung bekommt.

Der Film zählt somit zu meinen absoluten Favourites und doch bleibt ihm die Höchstnote verwehrt. Zu banal wird so manches Mal mit Gewalt umgegangen, zu unlogisch erscheint mancher Schritt. Aber dies sind nur kleine Tropfen auf den heißen Stein. Nicht jeder wird einen Draht zu "Watchmen" aufbauen können, denn dieser Film ist wohl eine sehr einzigartige Comicverfilmung, die man so nicht erwartet hätte. Aber genau das finde ich so exzellent, eine untypische Comic-Handlung mit ausgezeichneter Musik, die jedes Mal gut in die Szene passt und nebenbei ein wenig Kulturgeschichte mit einbezieht. Dies alles ist so prachtvoll, so düsterer verpackt und bietet einen so fantastischen Nóir-Stil, das ich einfach nicht anders konnte, als ihn zu mögen.

9/10