Sonntag, 24. März 2013

[KINO FFFnights] The ABCs Of Death (2012)

http://www.imdb.com/title/tt1935896/ 

"The ABCs Of Death" ist das vielleicht ehrgeizigste Anthologie-Filmprojekt aller Zeiten. Wenn weltweit einschlägige Genrefilme-Macher aus 15 Ländern einen Buchstaben aus dem Alphabet zugeteilt bekommen und daran anlehnend eine Geschichte über den Tod abliefern sollen, wird eines schnell klar: Hier kommt eine Menge verrückt-krasses Zeug zusammen! Schockierend, exotisch und voller Ironie, ist THE ABCs OF DEATH eine Vision der modernen Horror-Vielfalt.

Es ging ja gut los und hörte sich im Vorfeld auch gut an. 26 Genre-Regisseure bekamen einen Buchstaben zugeteilt und sollten nun in kurzer Zeit einen genre-typischen Beitrag abliefern, der ein paar Minuten lang ist. Der Vorspann lies hoffen und auch Buchstabe A ging sofort gut zur Sache. Selbst Buchstabe B machte noch Laune, aber danach ging es so steil bergab, das hätte man schon als Abgrund bezeichnen können. "The ABCs of Death" ist ein waschechter Crowdpleaser, ein Film, bei dem man sich gemeinsam vor Lachen die Bäuche hält, gemeinsam vor Entsetzen nach Luft schnappt und danach erst recht gemeinsam über Subtexte, Geschmacklosigkeiten und die beste Splatter-Szene debattiert.

Weniger involvierend sind all die Kurzfilme, in denen bloß Genre-Allgemeinplätze durchgespielt werden, aber sehr wohl hat Noboru Iguchi die Aneinandereihung von Kurzfilmen mit einer Vollbremung gestoppt: im passend betitelten "Fart" endet die gemeinsame Reise einer Lehrerin und der von ihr besessenen Schülerin wortwörtlich im Allerwertesten der Pädagogin. Bei derartigen Fäkalhumor-Eskapaden mag man noch eine Augenbrauhe hochziehen und müde lächeln, aber vor allem auch richtig ekeln. So hat man das Gefühl, dass jeder 3. Regisseur von nun an seine anale und toilettäre Phase ausgelebt hat. Rotz!

"Hydro-Electric Diffusion" von Regisseur Thomas Cappelen Malling schießt ebenso mit Volldampf über alle Geschmacksgrenzen hinweg, wenn der Regisseur irgendwo zwischen Naziploitation und "Der fantastische Mr. Fox" eine von Winston Churchills großer Luftkriegsansprache träumende Dogge gegen eine SS-Füchsin antreten lässt. Ebenso: Schotter!

Wieder andere Episoden sind dagegen so herrlich albern und clever zugleich: in Yudai Yamaguchis "Jidai-geki" ("Samurai Movie") zieht ein gefallener Samurai beim rituellen Selbstmord immer absurdere Grimassen, bis seinem Henker vor schallendem Gelächter das Katana aus der Hand fällt. Mit Adam Wingards "Quack" und Jon Schnepps "WTF!" folgt zwischendurch die passende Reflektion auf diesen ständigen Overkill der Bilder, Ideen und Referenzen. Während der Regisseur als sein eigener Hauptdarsteller fieberhaft überlegt, was er mit dem Buchstaben W anfangen soll, wird er zunehmend wahnsinniger, die Schnittfrequenz schneller und der erzählerische Zusammenhang loser – bis die Episode in einem Inferno zerstückelter Eindrücke gipfelt.

Xavier Gens klagt in "X Is For XXL" mit eindringlicher Klarheit den Schlankheitswahn an: Von einer Beauty-Werbung heimgesucht erleidet eine schwergewichtige Frau erst eine Fressattacke – und beginnt dann, das verhaßte Übergewicht mit dem Messer abzutragen, Schicht für Schicht. 6 von 26 Kurzfilmen retten aber leider nicht den ganzen Film. So sieht man teils uninspirierte und auch richtiggehend dämliche Werke und man hofft inständig, dass der Film zu Ende ist. Wenigstens kann man es anhand der Buchstabenreihenfolge erahnen. Müll.

3/10


Obwohl ich den Film so schlecht bewerte, bin ich dann doch irgendwo Sammler. Und ich habe gern Reihen komplett. "The ABCs Of Death" erschien als Nr. 18 in der CAPELIGHT PICTURES-Mediabook-Reihe und ist letztendlich doch (vom Artwork her) ganz schick...