Freitag, 29. März 2013

C’est Arrivé Près De Chez Vous - Mann beisst Hund (1992)

http://www.imdb.com/title/tt0103905/

Ein Filmteam begleitet den Serienkiller Ben (Benoît Poelvoorde) bei seinen Morden, um eine Dokumentation über den Mann zu drehen. Dabei stellt sich heraus, dass der Täter jenseits seiner Gewaltanwendung gegenüber irgendwelchen Opfern auch eine liebevolle Seite in sich trägt. So kümmert er sich beispielsweise um seine Großeltern (Nelly Pappaert und Hector Pappaert) und zeigt auf diese Weise seine Menschlichkeit. Die charismatische Art Bens sorgt dafür, dass die Mitglieder des Filmteams immer stärker in seine Welt hineingezogen werden. Sie verlieren vollständig die Distanz zu Ben und der Tatsache, dass er Menschen ermordet. Schließlich werden sie sogar willige Helfer bei den Tötungsakten, wenn sie ihre technischen Mittel einsetzen, um ihm dabei zu helfen, sein Werk erfolgreich zu verrichten. Die Grenze zwischen Beobachtung und eigenen Handlungen verschwindet.

Komischer Film. Und dabei doch seltsam interessant und auch spannend. Die belgischen Filmemacher liefern ja irgendwie in angemessener Regelmäßigkeit Filme ab, bei denen einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Im Blickpunkt stehen dabei fast immer Protagonisten aus sozialen Randmilieusund aus dieser Randständigkeit kristalisieren sich offenbar und zwangsläufig moralische sowie ethische Handlungsansätze. "Mann beisst Hund" reflektiert nicht allein TV-Sensationsgeilheit, Gewaltgier und Voyeurismus, sondern führt auch den Anspruch auf Authentizität und Natürlichkeit eines Dokumentarfilmes ad absurdum, indem er dieses Streben als Inszenierungsmechanismus demaskiert. Dazu kommt ein herrlich selbstverliebter Protagonist, der wie die anderen beiden Macher des Films unter seinem bürgerlichen Namen spielt und eine fast beispiellose und wahrlich denkwürdige Auftritte hinlegt.

Was den Film so verstörend und amüsant macht, ist seine absolute emotionale Unangemessenheit, die sich in ähnlicher Form auch in dem Film "Adams Äpfel" wiederfindet. Sorgen die Morde zu Beginn in ihrer tiefschwarzen Komik zunächst für einige Lacher, überkommt einen schon bei der Tötung der Rentnerin ein Schaudern. Im letzten Drittel des Streifens bleibt einem dann zunehmend das Lachen im Halse stecken.

Es ist schon eine perfidie Idee des Films, den Zuschauer nicht nur zum Voyeur machen, sondern ihm gleich eine Täterschaft unterjubeln zu wollen. Aber so ist es, und beide, Zuschauer und Filmcrew, erliegen dem entwaffnendem und doch gleichzeitig alarmierendem Charme von Ben. Dabei tauchen immer und immer wieder geniale satirische Momente auf: so stoßen die vier einmal auf ein anderes Kamerateam, das wiederum einen Mörderkollegen von Ben begleitet. Natürlich ist der Streifen irgendwie ein tief moralischer Film, der sich in all seiner bizarren Brutalität zu einer Anklage für all das aufbaut, was er dem zuschauer zeigt. Und was zurück bleibt ist eine unglaublich fesselnde schwarze und bitterböse Mediensatire über die man lange nachdenkt.

7,5/10 


Von Eightyfour Entertainment erschien der Film auch im auf 333 Stück limitierten Mediabook.