Mittwoch, 13. März 2013

Frost/Nixon (2008)


http://www.imdb.com/title/tt0870111/

Richard Nixon war kein besonders medientauglicher Typ: schrullig-kauzig bis öffentlichkeitsscheu. Trotzdem hatte er gelernt sich zu inszenieren. Drei Jahre zuvor war er in Schimpf und Schande von seinem Amt als Präsident zurückgetreten. Als in der sogenannten "Watergate-Affäre" bekannt wurde, dass er die Partei-Zentrale der Demokraten hatte verwanzen und abhören lassen, gab es für ihn keine politische Zukunft mehr. 600.000 Dollar kratzte David Frost (Michael Sheen), ein englischer TV-Talkmaster, zum Teil aus eigenen Mitteln zusammen, um Richard Nixon (Frank Langela) vor die Kamera zu bekommen. Für Nixon schien dies ein tadelloser Deal: viel Geld für wenig Arbeit und einen Interviewer, der ihm rhetorisch wie intellektuell nicht gewachsen sein konnte. Frost galt als Playboy, der Oliver Geißen der 70er Jahre, der bisher eher seichte Unterhaltungsshows alá RTL-Nachmittagstalkgedöns moderierte. Nixon hingegen als brillanter Rhetoriker und als einer der fähigsten politischen Köpfe seiner Zeit. Ein ungleiches Duell scheinbar; in dem Nixon vermeintlich leichtes Spiel haben sollte. Dem sollte aber nicht so sein.

Der Film hebt sich ab. nicht nur, weil diese Thematik - soweit ich mich entsinne - noch nie derart auf Zelluloid gebannt wurde und es nicht nur eine Sicht auf die Ereignisse, während und um die Interviews herum gibt. Frost/Nixon ist nicht deshalb sehenswert, da er auf einen erwarteten und sich abzeichnenden Show-Down hinausläuft: schließlich ist das Ende bekannt. Die Dramatik und Spannung ist in den feinen Nuancen im Ringen der Egos, den menschlichen Charakterzeichnungen und den Subtönen der Rahmenhandlung festgehalten. Es ist ein Duell, ein mentales Kräftemessen, in dem Vorbereitung, Strategie und Taktik, wie bei einer Schachpartie entscheidend sind und wie bei einem realen Boxkampf, Überraschung, die Härte der Treffer und ein "lucky punch" den Ausgang bestimmen können. Es liegt knisternde Elektrizität in der Luft, und zu verdanken ist dies den beiden herausragenden Hauptdarstellern, die ihren Figuren eine enorme authentische Kraft und fühlbare Präsenz verleihen. Und selbst wenn man weder politik- noch geschichtsinteressiert ist, kann man an diesem Duell sein Vergnügen haben.

8/10

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