Donnerstag, 3. Januar 2013

A Time To Kill - Die Jury (1996)

http://www.imdb.com/title/tt0117913/

Ein schwarzer Familienvater erschießt die weißen Vergewaltiger seiner kleinen Tochter. Ein ehrgeiziger junger Anwalt, unterstützt von einer zwar brillianten, aber vollkommen unerfahrenen Studentin, übernimmt seine Verteidigung - und will dabei nur eines erreichen: Gerechtigkeit. Doch zwischen Ku-Klux-Klan, brutalen Unruhen und Medien-Terror wird aus dem rassistischen Reizklima einer Südstaaten-Kleinstadt schnell ein unkontrollierbares Pulverfass...


"Die Jury", nach dem Roman John Grishams, ist ein intelligent konstruiertes Drama. Ein Gerichtsthriller, der sich mit der nicht nur amerikanischen Krankheit des Rassenhasses befaßt. Es ist einer der besten Gerichtsfilme und Dramen neben "A Few Good Men" ("Eine Frage der Ehre") mit grandioser und - vor allem für die damalige Zeit - kontroverser Thematik. Leider verspielt dieser durchaus stark inszenierte und von fast allen Darstellern gut umgesetzte Film sein großes Potential mit einem zu glatten und kitschigem Ende. Joel Schumachers Regie hingegen ist fabelhaft, setzt auf tolle Bildersprache und inszeniert so sehr unterhaltsam eine packende Geschichte. 

Die Darsteller-Riege überzeugt bis in die kleinste Nebenrolle, Kiefer Sutherland und der oftmals viel zu unterschätzte Matthew McConaughey spielen ihre Rollen brilliant. Sogar Sandra Bullock macht ihre Sache gut - und ich mag "Miss Undercover" Bullock eigentlich gar nicht. Das Ende dieses Dramas und vor allem das Plädoyer mit seiner ungewohnten Wendung in der Führung der zusammenfassenden Schlussrede des Verteidigers Jake Tyler Brigance (Matthew McConaughey) in diesem Prozess ist immer wieder bewundernswert. Zumal es im Film oft Anspielungen auf die Gesinnung des jungen Verteidigers gibt, der zwar das Gute will, aber eigentlich mit den falschen Mitteln. Hier entscheidet er sich schlußendlich für das richtige Mittel: die Kunst der Rede. Lediglich das bereits angesprochene Ende ist die Krux der Sache. Der Freispruch für Carl Lee Haileys (Samuel L. Jackson) schadet nicht nur der Glaubwürdigkeit des Films, sondern transportiert auch eine nicht ganz unproblematische Botschaft. Den obwohl der Zuseher (zurecht) ein moralisches Verständnis für Carl Lees Motivation aufbaut, so fühlt sich ein Freispruch für mich nicht wie ein gerechtes Urteil an, da ihm damit die Verantwortlichkeit für seine Taten entzogen wird. Carl Lee hat sich entschlossen das Recht in die eigene Hand zu nehmen und auch wenn der Mord als Affekthandlung betrachtet werden kann, so ist er auf jeden Fall rechtlich schuldig und muss daher auch verurteilt werden. Ein passenderes Ende wäre daher gewesen, wenn Carl Lee ein Schuldgeständnis ablegt und zu einer (milden) Haftstraffe verurteilt wird und nicht als strahlender Held den Gerichtsaal verlässt.

Da es sich bei dem Film um eine Romanverfilmung handelt, muss wohl auch dem Autor John Grisham eine Mitschuld an dem nicht wirklich geschicktem Ende zugesprochen werden. Obwohl der Film mit einen subjektiv negativen Eindruck endet, ist er insgesamt gesehen ein kleines Meisterwerk, da er starke Bilder präsentiert, authentische Schauspieler besitzt, unterhaltsame Dialoge bietet und das Interesse des Zuschauers, bei seiner doch recht langen Laufzeit, ununterbrochen erhalten bleibt.

8/10